Stefan Reichelstein : Stanford-Ökonom blamiert Berliner ESMT

Stefan Reichelstein Stanford-Ökonom blamiert Berliner ESMT

Eigentlich hätte der BWL-Professor Stefan Reichelstein in drei Wochen als Präsident bei der privaten Business School anfangen sollen. Doch kurzfristig hat er sich die Sache anders überlegt und der Uni wieder abgesagt. Die hat daraufhin ihren bisherigen Übergangspräsidenten Jörg Rocholl dauerhaft zum Präsidenten ernannt.
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Die private Berliner Business School ESMT hat einen peinlichen Rückschlag erlitten: Der Stanford-Ökonom Stefan Reichelstein tritt seinen Job als neuer Präsident der Hochschule nun doch nicht an. Dies gab die ESMT gestern überraschend bekannt – weniger drei Wochen vor dem geplanten Dienstbeginn Reichelsteins.

Die ESMT hat daraufhin mit sofortiger Wirkung Jörg Rocholl zum neuen Chef ernannt. Rocholl hatte die Bildungseinrichtung seit Mitte 2011 kommissarisch geführt, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel den damaligen ESMT-Präsidenten Lars-Hendrik Röller als Abteilungsleiter ins Bundeskanzleramt berufen hatte.

Das Ausbildungsmodell der 2002 gegründeten ESMT orientiert sich am Vorbild angelsächsischer Business Schools: Die Hochschule bietet MBA-Kurse für Manager an, die bereits über ein abgeschlossenes Hochschulstudium und mehrere Jahre Berufserfahrung verfügen. Im heute veröffentlichten Business School-Ranking der „Financial Times“ liegt die ESMT im Bereich der „Executive Education“ weltweit Platz 16 und in Europa auf Platz 9. Im Vergleich zum Vorjahr konnte die Berliner Hochschule ihr Abschneiden um je einen Platz verbessern. 2011 summierte sich der Umsatz der ESMT auf 15,3 Millionen Euro, gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 13 Prozent.

Zu den Gründen für Reichelsteins Absage in letzter Minute schweigt die ESMT. Reichelstein habe sich “nach Abwägung aller Faktoren dafür entschieden, weiterhin für die Stanford Graduate School of Business tätig zu sein”, heißt es in der Pressemitteilung. Reichelstein selbst ist bislang nicht zu erreichen.

Ende Januar hatte der deutsche Betriebswirt, der seit drei Jahrzehnten in den USA forscht, nach Angaben der ESMT seinen Vertrag als neuer Präsident der Berliner Management-Schule unterschrieben. „Die ESMT hat es in vergleichsweise wenigen Jahren geschafft, sich als private Business School fest zu etablieren“, sagte Reichelstein damals. „Meine Tätigkeit wird sich darauf konzentrieren, die Reputation der Schule in Forschung und Lehre weiter voranzubringen.“

Die Hochschule hatte die Personalie damals mit Stolz verkündet. „Stefan Reichelstein war unser absoluter Wunschkandida“, sagte Rocholl damals. „Dass es uns gelungen ist, einen international angesehenen Spitzenforscher aus den USA für uns zu begeistern, zeigt, welche Fortschritte wir in den vergangenen Jahren gemacht haben.“ Im März 2012 hatte sich Reichelstein in Berlin auch bereits den Mitarbeitern vorgestellt. Einige Wochen später teilte er seinen Sinnenswandel der ESMT mit.

Die kurzfristige Absage trotz eines bereits unterschriebenen Vertrags ist ein sehr ungewöhnlicher Vorgang. Der neue ESMT-Chef Rocholl versuchte sich gestern in Schadensbegrenzung. “Natürlich war die Entscheidung von Herrn Reichelstein für uns eine große Überraschung”, so der Wissenschaftler. “Wenn ich mir das Verfahren aus heutiger Sicht anschaue, würde ich mir schon wünschen, dass es anders gelaufen wäre.”

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