Studie
Deindustrialisierung in Europa schreitet voran

Brüssel gehen allmählich die Ideen aus: Kaum eine Maßnahme scheint die Deindustrialisierung in Europa stoppen zu können. Für Deutschland sieht es zwar noch gut aus – doch das kann sich aber schnell ändern.
  • 32

BrüsselTrotz aller Versuche, gegenzusteuern, geht die Deindustrialisierung in Europa weiter. Mit einem Anteil von 15,1 Prozent der Industrie an der Bruttowertschöpfung erreichte sie 2013 abermals einen Tiefpunkt. Das geht aus dem Report zur Wettbewerbsfähigkeit Europas hervor, der dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe) vorliegt und den die EU-Kommission an diesem Donnerstag vorlegen will.

Das Ziel, den Anteil der Industrie bis 2020 wieder auf 20 Prozent zu steigern, gerät damit in Gefahr. Zu Beginn des neuen Jahrtausends hatte der Anteil der Industrie an der Bruttowertschöpfung noch bei 18,5 Prozent gelegen. Der niedrigste Wert wurde im Rezessionsjahr 2009 mit 14,8 Prozent erreicht.

Zwar erholte sich der Anteil leicht – aber ein Trend wurde daraus nicht. „Ohne zielgenaue Maßnahmen sowohl auf europäischer wie auch auf Ebene der Mitgliedstaaten wird es nicht gelingen, der Altlasten aus der Krise Herr zu werden“, stellt Brüssel nun fest.

Der Brüsseler Bestandsaufnahme zufolge kämpfen vor allem Europas kleine und mittelständischen Industrieunternehmen mit einer nach wie vor schwierigen Kreditversorgung, einem wachsenden Mangel an gut qualifizierten Fachkräften und hohen Energiekosten. „Verbesserungen bei der Energieeffizienz haben den negativen Effekt steigender Energiepreise nicht kompensieren können“, stellt die Kommission in ihrem Bericht fest. Außerdem müssten viele EU-Staaten dringend administrative Hürden bei der Neugründung von Unternehmen senken und Forschung und Entwicklung vorantreiben.

Die industrielle Leistungsfähigkeit bleibt in der EU höchst unterschiedlich. Deutschland, Dänemark, Irland und die Niederlande liegen bei der Wettbewerbsfähigkeit vorn. Darauf ausruhen können sie sich nicht. So sieht die EU-Kommission für die nächste Dekade in Deutschland erheblichen Bedarf für Investitionen in die Infrastruktur, bei der Versorgung mit Fachkräften angesichts der demografischen Entwicklung sowie bei der Bereitstellung von Risikokapital. „Zur Bewahrung ihrer Wettbewerbsfähigkeit steht Deutschlands Industrie mittel- und langfristig vor ernst zu nehmenden Herausforderungen“, warnt die Kommission.

Auf hohem Niveau stagnierend und vom Abstieg bedroht sieht die Kommission Belgien, Großbritannien, Frankreich, Italien, Österreich, Luxemburg, Schweden und Finnland.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent

Kommentare zu " Studie: Deindustrialisierung in Europa schreitet voran"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sie werden es nicht glauben, jetzt ist der Scheibenwischer hin und das Teil kommt aus Spanien.

  • Ein großer Erfolg unserer Politiker. Sie wollen nur noch Dienstleistungen unter dem Motto: Wasch mich und ich wasche Dich? Wo ist da die Wertsteigerungen, damit ich mir etwas leiten kann. Dies wollen dioe Politiker absichtlich verhindern. Es dürfen nur noch Politiker, Banker und Manager leben!!!

  • Bei dem Polo meiner Frau ist die LED-Bremsfunzel gestorben, nachgeschaut, Teil aus Italien.
    Nicht mal sowas können die in der EU zusammenlöten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%