Studie
Die Ökonomie der Büro-Liebe

Eine Studie zeigt: Liebe ist gut für die Wirtschaft. Sie steigert die Produktivität im Büro. Verliebte bleiben länger und strengen sich mehr an. Verheiratete arbeiten besser und verdienen mehr als ihre unverheirateten Kollegen.
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KÖLN. Man könnte meinen, Ökonomen wären herzlose Zeitgenossen. Ständig denken sie nur an gefühlskalte Nutzenmaximierung, und unter inneren Werten verstehen sie Eigenkapitalquoten und Direktinvestitionen. Doch der Schein trügt. Auch Ökonomen brauchen Liebe. Denn ohne sie lässt sich die Welt der Wirtschaft nicht erklären. Liebe sorgt nämlich für höhere Löhne, führt Familienunternehmen zuweilen in den Ruin und schafft Wohlstand.

Wie das größte aller Gefühle sogar ganze Wirtschaftsstrukturen verändert, zeigt eine gerade veröffentlichte Studie von Ökonomen aus Kanada, Japan und Singapur. Die vier Kollegen um Vikas Mehrotra von der Universität Alberta stellten fest, dass in vielen der 41 untersuchten Staaten Familienunternehmen den Markt dominieren. Vor allem in Brasilien, Chile und Indien fanden die Forscher viele erfolgreiche Familienunternehmen. In westlichen Industrienationen hingegen war der Marktanteil der Firmen in Familienhand weitaus geringer.

Höheres BIP durch Liebesheiraten

Auf der Suche nach der Ursache für dieses Phänomen stießen die Forscher auf sehr unterschiedliche Heiratsgewohnheiten in den untersuchten Ländern. In den westlichen Industrieländern, wo Familienunternehmen eher schwach sind, heiraten die Menschen heutzutage meist aus Liebe. In Ländern mit starken Familienunternehmen werden die Ehen dagegen häufig von den Eltern arrangiert.

Die These der Ökonomen: Über arrangierte Ehen können sich die Unternehmerfamilien ihre Erben aussuchen und so sicherstellen, dass ein qualifizierter Nachfolger für den Posten als Unternehmenslenker gefunden wird. Das funktioniert bei Liebeshochzeiten nicht unbedingt, denn die Liebe des Unternehmernachwuchses fällt nun einmal nicht unbedingt auf den besten Chef im Umkreis.

Das konnten Mehrotra und seine Kollegen mit Daten von anderen Ökonomen bestätigen: In Ländern, in denen aus Liebe geheiratet wird, haben Familienunternehmen oft schlechtere Geschäftsergebnisse als andere Firmen. Das gilt vor allem, wenn die erste Erbengeneration die Geschäfte vom Firmengründer übernimmt.

Die Forscher um Mehrotra schlossen daraus, dass in den westlichen Industriestaaten der Übergang von der arrangierten Ehe zur Liebeshochzeit vor gut 200 Jahren die Familienunternehmen geschwächt hat. „Bis zum späten 18. Jahrhundert wurde die Ehe in den meisten Gesellschaften als viel zu wichtig betrachtet, um sie der freien Entscheidung von zwei Menschen zu überlassen“, schreibt die Historikerin Stephanie Coontz in ihrem Buch „Die Ehe – Eine Liebesgeschichte“. Vor allem, wenn sie sich dabei von so etwas Unvernünftigem und Vergänglichem wie der Liebe leiten ließen. Die Ehe war damals eine Institution des Wirtschaftslebens wie das Patentamt oder die Zollbehörde und wurde daher meistens nach rationalen Kriterien organisiert.

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  • 37% der Kandidaten

    Ein schönes beispiel. Gerne würde ich auch wissen wieviele Personen diese 37% sind. Mal ganz einfach gerechnet: die Hälfte der in Deutschland lebenden Menschen fallen schonmal weg, weil falsches Geschlecht. Vom Rest ist vielleicht 15% brauchbar weil in einer passenden Altersklasse. bei 80 Millionen Menschen sind die nötigen 37% somit 2,2 Millionen Kandidaten. Okay, die Sache dürfte etwas zeitaufwendig werden...

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