Studie
Konjunkturpolitik mit Nebenwirkungen

Zielgerichtete Investitionen lohnen sich. Steuersenkungen dagegen bringen nur wenig Wachstum, so eine neue Studie des Internationalen Währungsfonds. Die Volkswirte warnen zudem vor langfristigen Belastungen.
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LONDON. Schuldenfinanzierte staatliche Konjunkturprogramme können die Wirtschaft kurzfristig spürbar beleben, bedrohen aber gleichzeitig das langfristige Wachstum. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam des Internationalen Währungsfonds (IWF) in einer neuen Studie.

Für ihre Arbeit mit dem Titel „Fiscal Stimulus to the Rescue?“ haben die Wissenschaftler in einem komplexen makroökonomischen Modell des IWF die Effekte verschiedener Konjunkturpakete simuliert.

Wie gut Fiskalpolitik kurzfristig die Wirtschaft in Schwung bringen kann, steht und fällt damit, wofür der Staat das Geld ausgibt, stellen sie fest. Steuersenkungen haben kurzfristig fast keine positiven Effekte: Wenn der Staat die Steuern um einen Dollar senkt, entstehen zusätzliche Wirtschaftsleistungen im Wert von 0,2 bis 0,3 Dollar.

Rund viermal wirksamer seien dagegen zielgerichtete staatliche Transferzahlungen an einkommensschwache Haushalte und höhere staatliche Investitionsausgaben. Die Geldpolitik könne den Wirkungsgrad der Konjunkturpolitik erhöhen, indem sie die Zinsen niedrig hält. Jeder Dollar an staatlichen Investitionen schaffe bis zu 2,20 Dollar zusätzliches Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Wenn jedoch der Staat die Schulden im Aufschwung nicht schnell wieder abbaue, beschädigt die Konjunkturpolitik die Wachstumsperspektiven spürbar. Steigt in den USA das Verhältnis zwischen Staatsverschuldung und BIP dauerhaft um 0,5 Prozentpunkte, kostet das dort 0,3 bis 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung – weil Steuerlast und Realzinsen steigen. Auch der Rest der Welt muss dann Einbußen in Höhe von 0,2 Prozent hinnehmen.

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