Studie
Pech für die Gierigen

Intelligenz und Geduld hängen eng zusammen, zumindest wenn es um Finanzangelegenheiten geht. Eine Studie der Universität Bonn zeigt, dass es schlauer ist, sein Geld arbeiten zu lassen – und dass die Schlauen zurückhaltend genug sind, davon zu profitieren.
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DÜSSELDORF. Nicht am Weg, nur am Ergebnis lasse sich Intelligenz feststellen, hat Schachgroßmeister Garri Kasparow einmal gesagt. Warum dieser Grundsatz auch in Gelddingen gültig ist, weiß jeder erfolgreiche Investor – er braucht nur seinen Kontostand zu prüfen. Das richtige Timing und vor allem Geduld sind der Weg zur Gewinnmaximierung. Doch bisher fehlte der wissenschaftliche Beleg für die landläufig bekannte These.

Forscher der Universität Bonn und des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) haben die Geldgier der Menschen nun ultimativ erforscht. Ihr Fazit: Je intelligenter ihre Testpersonen waren, umso mehr Gewinne strichen sie ein und umso risikobereiter zeigten sie sich. Oder andersherum gesagt: Der Gierige ist der Dumme. „Intelligenz, Geduld und Risikotoleranz sind eng miteinander verknüpft“, erklärt der Bonner Ökonom Armin Falk zu seiner 52-seitigen Studie, die er zusammen mit Thomas Dohmen, David Huffman und Uwe Sunde veröffentlicht hat („Are risk aversion and impatience related to cognitive ability?“, IZA discussion paper no. 2735) Intelligente Menschen warten demnach lieber auf den höheren Gewinn.

Um das herauszufinden, wählten die Bonner Wissenschaftler in ganz Deutschland 1 012 repräsentative Testpersonen aus, die über 17 Jahre alt waren. Dann zückten sie zwar kein Geld, winkten aber mit einem Scheck. Die Befragten bekamen 100 Euro versprochen und sollten entscheiden, ob sie das Geld sofort haben oder es lieber ein Jahr lang zu einem garantierten festen Zins liegen lassen wollten. Und tatsächlich steckten Probanden mit einem geringeren IQ den Scheck sofort ein.

Die Schlauen wollten nicht nur warten, sondern waren auch bereit zum Risiko. Sie wurden gefragt, wie hoch der Betrag in einem Jahr mindestens sein müsse, damit sich das Warten lohne. Und alle gaben an, auch mehr als ein Jahr warten zu wollen, um noch mehr zu verdienen. Je ungeduldiger jemand sei, umso höher müsse der Anreiz zum Warten sein, folgerten daraus die Forscher.

Ist es denn nicht einfach so, dass weniger intelligente Menschen mickrige Gehälter einfahren, also größere finanzielle Sorgen haben und deshalb lieber gleich die 100 Euro einkassieren, mögen Kritiker einwenden. Nein, sagen die Bonner Wissenschaftler. Der Zusammenhang zwischen Geduld und kognitiven Fähigkeiten gelte auch, wenn der Einkommenseffekt berücksichtigt werde. Ein Risiko könne nur derjenige richtig einkalkulieren, der Zusammenhänge durchschaue. Die Erkenntnisse aus dem Bonner Report seien für künftige Modellrechnungen relevant, schreiben die Forscher. Finanzberater aller Branchen können sich freuen.

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