Studie Spitzenmanager
Wenn das Ego die Bilanz belastet

Viele Topmanager überschätzen ihre Fähigkeiten und machen systematisch Fehler, die ihr Unternehmen teuer zu stehen kommen. Bilanzskandale sind nicht selten das Ergebnis eines unerträglich großen Egos, wie US-Ökonomen in einer Studie feststellten.
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LONDON. Er hat sich immer für einen der Besten gehalten. Und jahrelang sollte alles so aussehen, als hätte er recht. Schon im Alter von 29 war der Mann zum Partner bei der renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Touche Ross aufgestiegen. Und mit Anfang 40 stand er an der Spitze der Royal Bank of Scotland (RBS), die er mit Fusionen und Übernahmen in wenigen Jahre von einem Provinzinstitut zur Nummer fünf der Branche machte: Fred Goodwin.

Ein Mann, berüchtigt für seine Arroganz und seine Beratungsresistenz. Schon 2005 hatte ein Analyst ihm öffentlich "Größenwahn" attestiert. Seine Hochrisikostrategie mündete im Oktober 2008 im Beinahekollaps der RBS. Die Bank existiert heute nur noch dank Milliardenhilfen des britischen Staates.

Fred Goodwin ist überall. In den Vorstandsetagen der Wirtschaft ist das Phänomen allgegenwärtig - ein zu großes Ego ist unter Spitzenmanagern eine weit verbreitete Berufskrankheit.

Was Untergebene schon immer vermutet haben, können Betriebswirte inzwischen mit zahlreichen handfesten Argumenten wissenschaftlich untermauern. Die Forscher zeigen auch: Fast immer schadet die Hybris in den Top-Etagen dem Unternehmen und seinen Anteilseignern. Manager, die sich selbst für ein Genie halten, treffen oft zu riskante und falsche Entscheidungen.

So haben selbstverliebte Chefs zum Beispiel ein überzogenes Faible für Fusionen und Übernahmen. Topmanager, die an Selbstüberschätzung leiden, gehen wesentlich häufiger auf Einkaufstour als Berufskollegen mit normalem Ego, zeigen die Forscher Ulrike Malmendier (University of California, Berkeley) und Geoffrey Tate (University of California, Los Angeles) in einer Studie mit dem Titel "Who makes acquisitions?". Grundlage der Arbeit sind 477 große, börsennotierte US-Unternehmen und ihre Fusionen und Übernahmen innerhalb von 14 Jahren.

Manager mit großem Ego fädeln nicht nur mehr, sondern auch schlechtere Fusionen ein. Die Finanzmärkte reagieren auf ihre Übernahmeabsichten deutlich negativer. Die Kursabschläge, die das übernahmewillige Unternehmen nach der Bekanntgabe eines Fusionsplans hinnehmen muss, sind fast neunmal so groß wie bei normalen Chefs. "Manager, die zu Hybris neigen, vernichten durch Übernahmen Unternehmenswerte", lautet das Fazit der Studie.

Weil sie unbefriedigende Performance eher vertuschen, sind zur Selbstüberschätzung neigende Vorstände mit höherer Wahrscheinlichkeit in Bilanzskandale verstrickt, haben die US-Ökonomen Catherine Schand und Sarah Zechman festgestellt.

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