Studie: Top-Hochschulen verlieren wichtigen Wettbewerbsvorteil
Harvard und Co. im Niedergang?

Wie Internet, E-Mail und Blogs die Arbeit von Wirtschaftswissenschaftlern umwälzen und den Status von Elite-Universitäten bedrohen.

Er ist erst Ende 30, aber wenn Christian Leuz von seiner Promotion erzählt, dann klingt das wie aus einem anderen, längst vergangenen Zeitalter. „Ich bin am Anfang extra in die USA gereist, um mir in Chicago und Madison wichtige, noch unveröffentlichte Arbeitspapiere zu meinem Thema zu besorgen“, erzählt er. Anders waren diese Arbeiten nicht zu kriegen – Leuz hätte Jahre warten müssen, bis sie in einer Fachzeitschrift erschienen wären.

Das war 1993. Heute ist Leuz selbst Professor in Chicago – und wenn er eine Arbeit fertig hat, dann stellt er sie ins Internet. „Nach ein paar Tagen kommen per E-Mail Fragen und Kommentare von Studenten und Forschern aus der ganzen Welt.“

Das Internet hat die Arbeit von Ökonomen in den vergangenen 10 bis 15 Jahren drastisch verändert. „Unveröffentlichte“ Arbeitspapiere sind heute überall und jederzeit online verfügbar. Per E-Mail können Forscher, die tausende Kilometer voneinander entfernt leben, einfach zusammen arbeiten. Und dank Weblogs können Studenten in Luanda und Lüneburg die Ideen von Professoren aus Harvard und Chicago verfolgen.

All das macht die Arbeit für Ökonomen nicht nur deutlich bequemer – langfristig krempeln Internet und E-Mail die Wissenschaftslandschaft in der Ökonomie grundlegend um.

Die Folgen dieser Internet-Revolution zeichnen sich erst in Ansätzen ab. „Wir erleben eine Demokratisierung der ökonomischen Forschung“, sagt Christian Zimmermann, VWL-Professor an der University of Connecticut und Betreiber der nicht-kommerziellen Online-Datenbank „Ideas“, die Zugang zu 370 000 ökonomischen Forschungsarbeiten bietet. „Die Old-Boy-Networks, die früher das Fach dominierten, haben an Einfluss verloren.“

Eine Entwicklung, die vor allem für die amerikanischen Elite-Universitäten gefährlich ist – denn sie verlieren einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. „Das Internet hat die Kommunikationskosten deutlich gesenkt; dadurch ist es weniger wichtig als früher, an welchem Ort ein Forscher sitzt“, schreiben die US-Ökonomen Han Kim, Adair Morse und Luigi Zingales in einer Studie.

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