Studien
Warum Sanktionen nichts bringen

Mit Handelsembargos und ähnlichen Mitteln versucht die Staatengemeinschaft regelmäßig, Dikatoren in die Knie zu zwingen. Erfolgreich ist das in aller Regel nicht, zeigen ökonomische Studien.
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DüsseldorfDie Botschaft der westlichen Regierungen an Syrien war eindeutig: Wenn die brutalen Morde an den Demonstranten nicht sofort aufhören, dann können wir auch anders! Doch das Assad-Regime ließ sich von der Drohung nicht schrecken und kämpft weiter grausam gegen das eigene Volk. Darum haben Washington und Brüssel die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Damaskus zuletzt immer weiter verschärft. Seit August sind in der EU Ölimporte aus Syrien verboten. Die Obama-Regierung hat ihren Bürgern sogar komplett untersagt, in der Nahost-Nation zu investieren.

Die Folgen für die syrische Volkswirtschaft sind schmerzlich. Statt mit zwei Prozent Wachstum, rechnet die Regierung offiziell nun nur noch mit einem Prozent - in Wahrheit dürfte die Wirtschaft noch weitaus massiver schrumpfen.

Auf den ersten Blick scheinen die Sanktionen Erfolg zu haben: Sie schwächen die Wirtschaftskraft des ganzen Landes merklich. Doch gelingt es auf diese Weise auch, die politische Macht brutaler Regime zu schwächen und die Opposition zu stärken? Denn genau das ist ja das eigentliche Ziel von Sanktionen: Wenn der Westen, wie im Fall von Syrien oder Iran, militärische Eingriffe ausschließt, bleibt nur dieser Weg, um einen Umsturz zu fördern.
Repressionen nehmen zu.

Was dabei häufig übersehen wird: Viele Ökonomen und Politikwissenschaftler bezweifeln inzwischen, dass Sanktionen politisch durchschlagen. "Die Intention mag zwar ehrenhaft sein", schreibt etwa der Ökonom Charles Rarick. Doch insgesamt seien wirtschaftliche Sanktionen nicht sehr effektiv, bilanziert der Handelsforscher der amerikanischen Purdue University.

Das Beispiel Syrien gibt ihm bisher recht: Dort gehen die Vereinten Nationen mittlerweile von 2600 Toten aus. Und im Fall Iran fürchten Experten sogar, dass die mächtigen Revolutionären Garden vom Ausschluss aus dem Welthandel profitieren - sie konnten inzwischen eine florierende und für sie lukrative Schmuggelwirtschaft organisieren.

Auch statistische Untersuchungen kommen zu ernüchternden Ergebnissen. Clifton Morgan und sein Forscherteam von der amerikanischen Rice University beziffern nach der Analyse von fast 900 Fällen die Erfolgsrate auf gerade mal 45 Prozent. Frühere Untersuchungen hielten sogar nur jede dritte Sanktion für zielführend. Dass oft bereits die Androhung einer Sanktion Regime zum Einlenken brachten, hätten diese Studien jedoch außer Acht gelassen, so Morgan.

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