Suche nach Präsidenten
DIW spricht mit mehreren Bewerbern

Die Suche nach einem neuen Präsidenten für die Berliner Denkfabrik wird sich noch hinziehen. Eine Findungskommission hat keine Vorentscheidung getroffen und lädt mindestens fünf Volkswirte zu Berufungsvorträgen ein.
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Bei der Suche nach einem neuen Präsidenten für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gibt es noch keinen Durchbruch. Die Findungskommission, die am Mittwochnachmittag in Berlin getagt hat, hat nach Informationen des Handelsblatts beschlossen, mindestens fünf Bewerber zu Berufungsvorträgen einzuladen – eine Vorentscheidung sei aber noch nicht getroffen worden, hieß es.

Zu den vier bereits bekannten Bewerbern Ansgar Belke (Uni Duisburg-Essen), Marcel Fratzscher (EZB), Daniel Gros (Center for European Policy Studies, Brüssel) und Hans Peter Grüner (Uni Mannheim) ist nach Handelsblatt-Informationen mindestens ein weiterer Name hinzugekommen: der Dresdner Finanzwissenschaftler Marcel Thum. Der Professor an der TU Dresden leitet seit 2004 auch die Dresdner Außenstelle des Ifo-Institut. Ob noch zusätzliche Namen auf der Bewerberliste stehen, war am Mittwochabend noch unklar.

In den vergangenen Wochen war durchgesickert, dass keiner der Bewerber als der perfekte Kandidat gelte. „In der Findungskommission herrschte aber Einigkeit, dass alle Kandidaten grundsätzlich als qualifiziert angesehen werden“, berichtet ein Insider. Die Entscheidung, sie alle einzuladen, sei einstimmig gefallen.

Das mit 180 Mitarbeitern und einem Jahresbudget von 20 Millionen Euro größte deutsche Wirtschaftsforschungsinstitut sucht einen neuen Chef, nachdem der langjährige Präsident Klaus Zimmermann im Februar 2011 nach langen internen Querelen zurückgetreten war. Viele Mitarbeiter warfen ihm einen autoritären Führungsstil vor. Das Institut ist nicht mehr bei der prestigeträchtigen Gemeinschaftsdiagnose dabei und war 2009 ins Visier des Landesrechnungshofs geraten.

Bis zum Jahresende wird das Institut übergangsweise vom altgedienten DIW-Wissenschaftler Gert Wagner geführt, der ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup sucht als Vorsitzender des Kuratoriums und der Findungskommission nach einem neuen Vorsitzenden.

Im Vorfeld der heutigen Sitzung der Findungskommission war Rürup wiederholt öffentlich in die Kritik geraten. So berichete das Magazin „Cicero“ auf seiner Internet-Seite, Rürup wolle das Institut „nach links“ rücken, intern herrsche ein „Machtkampf über die politische Ausrichtung“. Im Gespräch mit dem Handelsblatt wiesen mehrere Kuratoriumsmitglieder diese Kritik allerdings zurück. „Das ist absoluter Quatsch - es wird im Kuratorium überhaupt nicht entlang parteipolitischer Linien diskutiert“, betonte ein Insider.

Aus der Findungskommission war am Mittwochabend zu erfahren, die Diskussionen seien sehr nüchtern und sachlich verlaufen. „Das war eine sehr konstruktive Sitzung.“ Am Donnerstagvormittag tagt das DIW-Kuratorium, mittags gibt es eine Pressekonferenz.

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