Tagung in Göttingen
Ökonomen entschlüsseln deutsches Jobwunder

Vom kranken Mann Europas zur starken Frau des Kontinents: Das deutsche Jobwunder war Thema der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik. Dabei haben die Ökonomen einen Hauptgrund für die Lage in Deutschland ausgemacht.
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GöttingenEs ist kaum zehn Jahre her, da beschäftigten sich deutsche Ökonomen vor allem mit der Frage, warum die Arbeitslosigkeit in Deutschland so kolossal hoch ist. Heute ist es anders: Heute suchen sie eher nach den Gründen für den enormen Boom auf dem Arbeitsmarkt. So auch bei der Göttinger Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik, der wichtigsten Konferenz von deutschsprachigen Ökonomen, die in diesem Jahr die Arbeitsmarktökonomie als Schwerpunktthema hatte.

Der Hauptgrund für den Job-Boom, da waren sich die meisten Vortragenden einig: Die Hartz-Reformen der rot-grünen Bundesregierung. Schließlich fanden in den Folgejahren auch viele schlecht Qualifizierte einen Job, gleichzeitig sank die Wachstumsschwelle, ab der neue Stellen entstehen, deutlich ab. Zwei sichtlich stolze Protagonisten der Agenda 2010 durften daher in Göttingen Bilanz ziehen: Altkanzler Gerhard Schröder und Bundesarbeitsagentur-Chef  Frank-Jürgen Weise. „Vor zehn Jahren war Deutschland der kranke Mann Europas“, sagte Schröder. Und mit einem ironischen Seitenhieb auf Angela Merkel:  „Heute ist es eher die starke Frau des Kontinents.“

Doch auch Schröder und Weise wissen um die Probleme im Detail: So stieg die Zahl der Beschäftigten zwar seit der Jahrtausendwende massiv an – doch Zuwächse gab es nur bei den sogenannten atypischen Arbeitsverhältnissen, also bei Teilzeit oder Leiharbeit. Gleichzeitig sind die Reallöhne im unteren Einkommensbereich inzwischen bis auf das Niveau von Anfang der frühen 80er Jahre abgesunken – nennenswert gestiegen sind nur die der Hochqualifizierten.

Ob ein flächendeckender Mindestlohn vor diesem Hintergrund eine Lösung sein kann, war deshalb eine der zentralen Fragen in Göttingen. Mit Hilfe von internationalen Daten zeigte etwa der britische Forscher Alan Manning von der renommierten London School of Economics, dass die Einführung von Mindestlöhnen durchaus dazu beitragen kann, das Einkommensniveau der Geringqualifizierten zu erhöhen, ohne allzu viele Jobs zu zerstören. Gerade das war den Befürwortern des Mindestlohns in der Debatte oft vorgeworfen worden.

Ein Phänomen, das die Forscher in Göttingen besonders interessierte: Das sogenannte deutsche Jobwunder in der Rezession des Jahres 2009. Damals brach die Wirtschaftsleistung in Deutschland mit einem Minus von mehr als fünf Prozent stärker ein als in anderen Industrieländern. Gleichzeitig entwickelte sich der Arbeitsmarkt deutlich besser - was Kommentatoren meist auf das deutsche Kurzarbeitergeld zurückführen: Dabei übernimmt die Arbeitsagentur einen Teil der Löhne – im Gegenzug entlässt der Arbeitgeber seine Mitarbeiter nicht.

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  • Dieser sogenannte Erfolg für Deutschland ist sehr teuer erkauft.
    Unsere gute Beschäftigung in Deutschland kommt vom Anschreiben der Südländer. Diese zahlungsunfähigen Länder können in Deutschland alles bestellen, ohne zu bezahlen. Das schafft in Deutschland Arbeitsplätze und einen Riesenüberschuss im Außenhandel. Professor Dr. Lüder Gerken hat diese Vorgehensweise am 26.07.2012 in der Saarbrücker Zeitung (Gastbeitrag) beschrieben.

    Griechenland, Portugal, Spanien und Italien haben bis jetzt allein Schulden von 850 Milliarden Euro (850 000 000 000 Euro) aufgebaut. Jeder Einwohner in Deutschland muss heute dafür mit 10 000 Euro zusätzlich haften, und, nach oben ist keine Grenze gesetzt.

    Stark vereinfacht geht es um Folgendes: Ein deutscher Autohersteller verkauft zum Beispiel ein Auto für 50 000 Euro nach Athen. Der Käufer des Autos zahlt an die griechische Zentralbank 50 000 Euro. Die griechische Zentralbank lässt diese 50 000 Euro bei der Bundesbank anschreiben, wie das Land dringend Bargeld benötigt.
    Im Klartext: Das Geld bleibt in Griechenland. Griechenland zahlt seine Importe nicht, sondern verschuldet sich. Deutschland erhält für seine Exporte kein Geld. Das Geld, das die Exportunternehmen erhalten, ist Geld der Bundesbank, keines aus Griechenland.

  • ..ich liebe Ihre Beiträge. Nach dem lesen zieht's mich immer zur Toilette.

    Mindestlohn ist also Mist? ..Wieso nicht gleich den Sklavenstaat einführen, das wäre doch ehrlicher.

  • Geschwafel.

    Deutsche Fleissigkeit + Lohndumping = Wettberbsvorteil.

    Das "Jobwunder" ist für die Bevölkerung ein Alptraum. Viele können sich nicht mal mehr mit einem Vollzeitjob einfachste Lebensbedingungen ermöglichen.

    Besonders klasse: Die Länder, die wir niederkonkurriert haben retten wir jetzt.

    Wer also hat profitiert vom Jobwunder? Die Industriellen, die Hochfinanz und das Politgesockse.

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