Top-Ökonomen zur Subprime-Krise
Top-Ökonomen zur Subprime-Krise: „Der menschliche Instinkt ist schuld“

Die US-Hypothekenkrise schlägt drastisch auf Banken und die Finanzmärkte durch. Internationale Top-Ökonomen erklären in einer exklusiven Handelsblatt-Umfrage, wie bedrohlich die Situation ist, was die Ursachen der Turbulenzen waren und welche Lehren zu ziehen sind.
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Die Finanzmärkte sind nervös: Zinsen und Risikoaufschläge steigen, Aktienkurse fallen. Ist das eine willkommene Normalisierung oder der Beginn einer Krise?

Patrick Artus, Chefökonom der Investmentbank Natixis und Mitglied des Wirtschaftsbeirates des französischen Staats: „Die Turbulenzen sind das normale Atmen des Konjunkturzyklus. Sie müssen keinesfalls in eine Krise münden. Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten sind gesund, Liquidität gibt es reichlich. Die Verluste der Banken aus geplatzten Hypothekenkrediten macht ein Prozent der Marktkapitalisierung aus. Das ist nicht viel.“

Willem Buiter, Ökonomieprofessor an der Londoner School of Economics and Political Science: „Es ist eine gesunde und überfällige Normalisierung der Risikoaufschläge. Wenn wichtige Zentralbanken keinen Unsinn machen, sollte es nicht zu einer Systemkrise kommen. Einzelne Finanzinstitute können aber durchaus pleitegehen.“

Jan Hatzius, Chefvolkswirt der Investmentbank Goldman Sachs in New York: „Weder-noch. Es ist ein Symptom einer platzenden Immobilienblase. Diese wird noch zu sehr vielen weiteren Kreditausfällen führen. Aber ich denke, eine ausufernde Finanzkrise ist unwahrscheinlich. Denn es gibt keinen Grund, warum die US-Notenbank nicht kräftig die Zinsen senken könnte, wenn dies nötig sein sollte.“

Richard Koo, Chefökonom des Nomura-Forschungsinstituts in Tokio: „Wenn eine Investitionsblase platzt, verursacht dies immer erheblichen Stress in den Finanzsystemen. Die aktuellen Turbulenzen zeigen viele Symptome der Auflösung einer Blase. Ich denke schon, dass wir es hier mit einer Krise zu tun haben.“

Jörg Krämer

, Chefvolkswirt der Commerzbank in Frankfurt: „Wir haben am US-Immobilienmarkt und den damit verbundenen Kreditmärkten eine Krise. Aber wie jede Krise hat auch die gegenwärtige eine heilsame Wirkung. Sie bewirkt, dass Investoren die Risiken nicht nur am US-Immobilienmarkt, sondern auch bei Unternehmensanleihen und Währungen realistischer einschätzen.“

Dennis Snower, Leiter des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel: „Es ist zweifellos möglich, dass die US-Hauspreise weiter fallen und kritische Werte unterschreiten.“

Angel Ubide, Chefvolkswirt der Tudor Investment Corporation in Washington: „Was wir beobachten, ist einerseits der verzögerte Effekt der Bereinigung im US-Immobilienmarkt, zum anderen die Normalisierung der Risikoprämien in den breiteren Kreditmärkten. Die Ausfälle bei Hypothekenkrediten haben am Markt für Kreditderivate zu Neubewertungen geführt, die eher mit historischen Erfahrungen in Einklang stehen.“

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