Treffen der Top-Ökonomen: Wie Soros die VWL revolutionieren will

Treffen der Top-Ökonomen
Wie Soros die VWL revolutionieren will

Ab heute trifft sich das von der Investment-Legende gegründete Institute for New Economic Thinking zu seiner Jahrestagung in Berlin. Welche Ziele hat die Denkfabrik? Wie will sie sie erreichen?
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LondonEs sind symbolträchtige Orte, die sich das Institute for New Economic Thinking (INET) für seine Jahrestreffen aussucht: Die Auftaktkonferenz der Denkfabrik fand vor zwei Jahren am King’s College im englischen Cambridge statt – dort forschte in den 30er-Jahren John Maynard Keynes, der die Volkswirtschaftslehre wie kein Zweiter revolutionierte. Im vergangenen Jahr trafen sich die Volkswirte in Bretton Woods, wo 1944 das Währungssystem der Nachkriegszeit entworfen wurde.

Dieses Jahr ist Berlin dran. Ab heute ist die deutsche Hauptstadt Treffpunkt von Top-Ökonomen aus aller Welt. Mehr als 300 Hochschulprofessoren und Nachwuchsforscher, Notenbanker und Politiker diskutieren bis Sonntag über die Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftspolitik der Zukunft. Darunter sind die Nobelpreisträger Joseph Stiglitz und Amartya Sen, der Generalsekretär der OECD Angel Gurría, EZB-Ratsmitglied Jörg Asmussen und Ex-Außenminister Joschka Fischer.

Ganz bewusst hat sich INET für Berlin als Tagungsort entschieden. „Die ökonomische Architektur Europas wankt“, sagte INET-Direktor Robert Johnson dem Handelsblatt, „und Deutschland gehört zu einer der tragenden Säulen dieser Architektur.“ Die Schuldenkrise in Europa, die Rolle des Staates im Kapitalismus und die Zukunft der Marktwirtschaft werden zu den bestimmenden Themen der Konferenz gehören. Johnson: „Unser Ziel ist es, die wichtigsten Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, rigoros anzugehen.“

Seit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2007 ist vor allem die traditionelle Makroökonomie massiv in die Kritik geraten. In den gängigen mathematischen Modellen unterstellen die Volkswirte, dass die Menschen stets rational agieren und Finanzmärkte stabil und effizient sind. „Die alten Theorien waren zwar sehr elegant, aber die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sie wenig Erklärungsgehalt haben“, sagt Harvard-Professor Ken Rogoff, der sich bei INET engagiert.

Gegründet wurde die Denkfabrik im Herbst 2009 vom Hedge-Fonds-Manager George Soros als Reaktion auf die tiefste Wirtschafts- und Finanzkrise seit der Großen Depression. Mehr als 60 Millionen Dollar hat Soros in die Denkfabrik gesteckt, hinzu kamen mehr als 100 Millionen Dollar von Stiftungen und reichen Einzelspendern wie Jim Balsillie, dem früheren Co-Chef des kanadischen Technologie-Unternehmens Research in Motion.

Eine Phalanx namhafter Wirtschaftswissenschaftler unterstützt INET. Das wissenschaftliche Beratergremium liest sich wie ein „Who is who“ der Wirtschaftswissenschaft – allein sechs Ökonomie-Nobelpreisträger gehören ihm an.

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Unorthodoxe Forschung

Kommentare zu " Treffen der Top-Ökonomen: Wie Soros die VWL revolutionieren will"

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  • Die hohe Schule der Ökonomie ist die Österreichische Schule. Wahnsinn, es gibt jemanden, der sich damit auskennt ! Zur Schulklasse, die Soros um sich geschart hat kann man nur eines sagen: Es sind ausnahmslos Sitzenbleiber. Bei allen Theorieansätzen Note 6. Nun, mehr ist dazu auch nicht zu sagen. Das Who is Who müsste eignentlich "Blind is Blind" heißen.

  • ". Das wissenschaftliche Beratergremium liest sich wie ein „Who is who“ der Wirtschaftswissenschaft – allein sechs Ökonomie-Nobelpreisträger gehören ihm an."

    Ist ein "Österreicher" dabei? Lasset mich raten, ich denke nicht.

    Dann ist die Institution sinnlos, nur Produkt einer Eitelkeit

  • Wer weiß, ob Wirtschaftswissenschaften überhaupt zu den Wissenschaften gezählt werden sollten? Ich denke, dass es keine Wissenschaft über die Wirtschaft gibt, dass aber viele Betrüger von solcher Behauptung leben.

    “Gauß ist tot, es lebe Gauß!

    Zumindest was die Logik der fraktalen Zufälligkeit und deren Verteilung betrifft, muss man Mandelbrot wie auch Nassim Nicholas Taleb anerkennen, dass sie einige der wenigen sind, die die Komplexität der menschlichen Unfähigkeit aufnahmebereit zu sein, zumindest was unbequeme Neuigkeiten anbelangt und für die meisten, auch aus den Fachgebieten, unbegreiflich zu sein scheint, kritisieren und sich trotz aussichtsloser Lage weiterhin um Aufklärung bemühen.

    Dass Herr … darauf anzuspielen weiß, dass wir nicht so viel wissen, wie wir gerne vorgeben, zeugt von enormer Weitsicht, die die für die künftigen Wissenschafter verantwortlichen ausbildenden Professoren wohl gezielt werden ignorieren müssen, obwohl die einfache Lösung – mittelst Gauß’scher Glockenkurve – Verteilungen zu berechnen und daraus Risiken, die die Zukunft betreffen, abzuleiten, indem man versucht, durch Betrachtung der Vergangenheit, die künftige Entwicklung zu interpretieren, in bezug auf wirtschaftswissenschaftliche Themen mehr als fehlgeschlagen ist und da die wirtschafts-, die finanzmathematische, besonders aber die statistische Theorie ohne dieses Falsums nicht nur den Herren an den Universitäten die Lebensgrundlage entzöge: Die Ignoranz der meisten Wissenschafter gegen das mandelbrotische System und die dadurch unterlassene Sensibilisierung für die Risiken am Finanzmarkt lässt erkennen, dass sich auch künftig nichts ändern wird. Ganz nach dem Motto:

    Gauß ist tot, es lebe Gauß!” (Leserbrief im FORMAT 49 | 09)

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