Umstrittene Bauprojekte
Mit Geld lassen sich auch Wutbürger gewinnen

Forscher haben sich mit der Frage beschäftigt, wie man Anwohner von großen Bauprojekten in ihrer Nachbarschaft überzeugen kann. Das Ergebnis: eine finanzielle Beteiligung kann viele Wutbürger milde stimmen.
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DüsseldorfDas Bundeswirtschaftsministerium versucht es mit dem erhobenen Zeigefinger: Wer immer nur dagegen sei, heißt es auf der Webseite des Ministeriums, der verhindere „ökonomisch und ökologisch absolut sinnvolle Projekte“. Das schade dann dem Wirtschaftsstandort Deutschland - und damit uns allen.

Es ist ein eher hilfloser Versuch des Ministeriums, gegen ein Phänomen anzuargumentieren, das Politikern und Raumplanern zunehmend zu schaffen macht: Lokaler Widerstand gegen Bauprojekte, die an sich sinnvoll sind, doch für unmittelbare Anwohner mit Nachteilen verbunden sind - zum Beispiel Gefängnisse, Mülldeponien oder Kraftwerke. Die Angelsachsen haben dafür einen eigenen Begriff : „Nimby“ – die Abkürzung von „Not in my backyard“ (Nicht in meinem Hinterhof).

Gerade die Energiewende führt vielerorts zu massiver Gegenwehr. Schließlich sollen 4000 Kilometer neuer Hochspannungsleitungen und Tausende neuer Windräder gebaut werden. Die Zahl der Bürgerinitiativen gegen Windparks hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt.

Doch was kann man tun, um die Menschen dazu zu bringen, Großbauten in ihrer Nähe nicht mehr zu boykottieren? Dazu haben Forscher zuletzt eine ganze Reihe von unorthodoxen Vorschlägen vorgelegt.

Euston Quah (Universität Singapur) und Jongsay Yong (Uni Melbourne) etwa schlagen vor, einfach Versteigerungen zu organisieren, um geeignete Orte für die Ansiedlung von Großbauten zu finden. Die Kommunen, die infrage kämen, könnten dann jeweils ein Gebot abgeben, wie hoch eine Kompensationszahlung sein müsste, damit sie dafür Land opfern. Der Ort, der am wenigsten verlangt, bekommt dann den Zuschlag.

„Für eine Kommune wäre das eigentlich eine Riesenchance“, sagt auch Marco Althaus von der Technischen Hochschule Wildau (FH), der sich seit Jahren mit dem Nimby-Phänomen befasst. Schließlich könnten sie viel Geld für sich herausschlagen.

Wie gut finanzielle Ausgleichszahlungen funktionieren können, zeigt das Beispiel Spanien: Dort hatte die Regierung zuletzt einen Ort für ein Atommüllzwischenlager gesucht - und das ganze einfach ausgeschrieben, samt Aussicht auf üppige Entlohnung.

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  • "Das Ergebnis: eine finanzielle Beteiligung kann viele Wutbürger milde stimmen". - Dann ist es keine Wut, auch nicht Gier aber eher Trotz. Mehr nicht!! WUT sieht so aus wie von den Bürgern der arabischen Länder etwa gegen Mubarak bzr. Gadhaffi seinerzeit verübt.

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