Umwelt Der schmutzige Emissionshandel

Umweltökonomen halten das europäische Handelssystem von CO2-Verschmutzungsrechten für mangelhaft. Sie bemängeln vor allem die Masse an Gratiszertifikaten, die an die Industrie verteilt wurde.
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Braunkohle-Kraftwerk in Grevenbroich-Neurath: Co2-Preise sind zu niedrig. Quelle: dpa

Braunkohle-Kraftwerk in Grevenbroich-Neurath: Co2-Preise sind zu niedrig.

(Foto: dpa)

KölnWenn doch nur alles so billig wäre, wie ein bisschen Kohlendioxid (CO2 ) in die Luft zu blasen. Knapp acht Euro kostet momentan ein Zertifikat, das den Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid erlaubt.

Für energiehungrige Unternehmen paradiesische Zustände, für Umweltschützer ein klares Zeichen dafür, dass der Emissionshandel nicht funktioniert. Damit der Preis endlich steigt, will EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard jetzt das Angebot an Verschmutzungsrechten verknappen und die nächste Auktionsrunde kurzerhand abblasen.

Denn viele Unternehmen sind nach Überzeugung von Umweltökonomen mit CO2 -Zertifikaten überversorgt, besonders in Deutschland: Rund 80 Prozent der deutschen Firmen besitzen mehr Verschmutzungsrechte, als sie benötigen, hat der Mannheimer Umweltökonom Andreas Löschel vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung vor kurzem berechnet.

Dieses Überangebot hat die EU über weite Strecken selbst zu verantworten, zeigt eine neue Studie einer Forschergruppe um den deutschen Ökonomen Ralf Martin von der London School of Economics. Demnach hat Brüssel in den vergangenen Jahren viel zu großzügig Gratisverschmutzungsrechte verteilt und dabei vor allem deutsche Unternehmen reich beschenkt.

Um die Industrie langsam an den Emissionshandel zu gewöhnen, gab es die ersten Zertifikate für viele Firmen umsonst. Dabei orientierte sich die EU an zwei Kriterien: Zum einen versorgte sie Unternehmen mit einem hohen CO2 -Ausstoß wie zum Beispiel Aluminiumhütten und Stahlwerke mit kostenlosen Zertifikaten.

Und zum anderen Firmen, die auf dem Weltmarkt im harten Wettbewerb mit internationalen Konkurrenten stehen. So sollte verhindert werden, dass Unternehmen nach der Einführung des Emissionshandels nicht mehr wettbewerbsfähig sind und ihre Geschäfte in Länder verlagern, die beim CO2-Ausstoß nicht so genau hinschauen.

Die Abwanderungsgefahr von Unternehmen ist aber offenbar in der Realität bei weitem nicht so groß, wie die Konstrukteure des Emissionshandels erwartet haben, stellen die LSE-Forscher fest.

Die Ökonomen führten in über 700 Unternehmen aufwendige Interviews und fragten Manager, wie sie reagieren würden, wenn ihre Firma für CO2-Zertifikate plötzlich Geld zahlen müsste. Nur wenige drohten für diesen Fall mit dem Abbau von Arbeitsplätzen oder der Verlagerung von Produktionsanlagen ins Ausland.

Dass die Befragungsergebnisse so eindeutig sind, ist überraschend. Denn die Manager hatten in den Interviews mit den Forschern eigentlich einen Anreiz, schwarzzumalen und die Gefahr einer Abwanderung zu übertreiben, um so gegen höhere CO2-Preise zu argumentieren. Dass trotzdem nur wenige Unternehmen mit Arbeitsplatzabbau und Wegzug drohten, spricht nach Ansicht der Wissenschaftler dafür, dass die meisten Firmen den Kauf von Verschmutzungsrechten gut stemmen können.

Deutschland profitiert am meisten von Gratiszertifikaten
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12 Kommentare zu "Umwelt: Der schmutzige Emissionshandel"

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  • Hier muss ich mich doch sehr wundern, Herr Buhse: Warum fällt in diesem Zusammenhang nicht einmal das wichtige Wort EEG? Das EEG verhindert sein Jahren einen einigermaßen funktionierenden Zertifikatehandel, in dem es faktisch Mengen vom Markt nimmt, allerdings zu Mondpreisen und nur vom deutschen Steuerzahler finanziert für ganz Europa.

    Dieser Zusammenhang ist seit Jahren bekannt, sogar bei den Grünen.

  • Hallo Laika 231...Sie haben recht. Das Ozonloch hatte ich in letzter Zeit bei der Aufzählung von Ökoweltuntergängen in der Tat vergessen.
    Zur Erinnerung: In den 90er Jahren wurde behauptet, dass die FCKW die Ozonschicht in der Stratoshäre zerstören würden. Gem. dieser "Wissenschaftler" sollte dann ein ungeschützter Aufenthalt im Freien nicht mehr möglich sein. Da die FCKW ca. 20 Jahre für den Aufstieg in die Stratosphäre benötigen...

    Vandale

  • Stimmt! Und die Zentrale der Dummheit ist bei den CO2 Hysterikern.

  • @Vandale
    Auch FCKW wurden vor gar nicht allzu langer Zeit als nützliche und inerte Gase angesehen. Für die untere Atmosphäre hatte das auch Gültigkeit, leider jedoch nicht für die Stratosphäre. Leider kann der Mensch die Auwirkungen seinses Handelns icht immer genau abschätzen.
    Daher sollte das Vorsorgeprinzip gelten - und auch das Verursacherprinzip (s. Ausstoß von Abgasen, z. B. CO2). Wenn ich mir die bisher getätigten Kommentare zum - wissenschaftlich unzweifelhaft erwiesenen Treibhauseffekt durch Kohlendioxid - ansehe, muss ich mich Einstein anschließen:
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

  • Tja, mein Lieber, die Gehirnwäsche fängt aber leider schon in den Schulen an. Die Kinder weder doch schon von den Grünen verblödeten Lehrern einer Gehirnwäsche unterzogen. Und bei solchen Lehrern wundert es mich überhaupt nicht dass die Schulabgänger so schlecht sind.

  • Die Wirtschaft muss unter allen Umständen geschützt werden. Vor Kosten! Das gilt für die Umwelt genauso wie für die Energie. Muss dann eben der kleine Verbraucher dafür einstehen. Der kann sich ja sowieso nicht wehren. Und die Kosten sind unabdingbar!

  • CO2 hat keinerlei Einfluss auf das Klima. Die ganze Geschichte ist eine kriminelle Abkassiererei im Auftrag der Weltelite.
    Zum Glück merken die Bürger den Riesenbetrug und die Wut steigt hoch. Ich hoffe das wird sich nicht gewaltätig entladen.
    Charly, sie verteidigen eine Lüge. Aufklärung kann sich jeder bei EIKE holen, die sind nicht gehirngewaschen.

  • Genau das wird von immer mehr Wissenschaftlern in Frage gestellt, dass CO2 diese Effekte auf das Klima hat welche im nachgesagt werden.

    Ich habe da einen Bericht im TV gesehen in dem deutlich der Zusammenhang von Sonnenflecken und Klima erklärt wurde. CO2 spielt da praktisch keine Rolle. Auch wurde nachgewiesen dass der CO2 gehalt der Luft in der Vergangenheit wesentlich höher war als jetzt und trotzdem war es sehr viel kälter und das über lange Zeiträume.
    Tja, wenn hier jemand Lobbystuss verbreitet dann sind Sie es.

  • Der Journalist ist nur ein Journalist und schreibt das was man ihm ins Notizbuch diktiert. Zu mehr braucht man Journalisten nicht.

  • @vandale

    wir wissen ja nun inzwischen, dass sie von rwe bezahlt werden.

    dass co2 ein nützliches und innertes gas ist bestreitet ja auch keiner.
    trotzdem haben gase wie co2 dramatische nebeneffekte auf das klima.
    die quanteneffekte müssen auch nicht erst noch bewiesen werden, das ist stand der wissenschaft anfang des letzten jahrhunderts.
    bei den kenntnissen die sie hier öfter an den tag legen, bin ich sicher, dass sie auch darüber im bilde sind. blöd sind sie nämlich keineswegs. nur warum verbreiten sie hier immer diesen lobby-stuss?

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