Uni-Mäzenaten
Von Soros bis Gaddafi

Immer mehr VWL-Fakultäten sammeln Geld bei reichen Gönnern - doch Spenden können auch die Reputation gefährden.

Frankfurt, London Harte Arbeit ist Ernst Fehr eigentlich gewohnt. Oft quält sich der Züricher VWL-Professor mehrere Jahre mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten herum. Gnadenlos krempelt er sie um. Dreimal, viermal, fünfmal. "Irgendwann hat man es einfach nur noch satt", sagt Fehr. "Doch man muss die Kraft entwickeln, diesen Reflex zu unterdrücken und so lange an dem Aufsatz zu arbeiten, bis er richtig gut ist." Auch diese Zähigkeit hat Fehr zu einem der weltweit erfolgreichsten deutschsprachigen Volkswirte gemacht.

Derzeit wird seine Ausdauer auf eine besonders harte Probe gestellt: Fehr sucht nach privaten Spendern für die Uni - "ein extrem mühsamer Prozess", sagt er. Noch laufen die Gespräche mit potenziellen Geldgebern, rund sechs Millionen Euro sind quasi zugesagt. Fließen soll das Geld an die "Excellence Foundation Zurich", die in den nächsten Monaten offiziell gegründet wird und die VWL-Fakultät der Uni "zu einer Weltklasse-Institution" (Fehr) machen soll.
Geldgeber sorgfältig aussuchen.

Fehr und die Uni Zürich befinden sich in guter Gesellschaft: Ob in Chicago oder Bonn, London oder Düsseldorf - überall versuchen volkswirtschaftliche Fakultäten, ihre Forschung mit privaten Geldern zu finanzieren. Für die Hochschulen ist das Buhlen um Spender ein Drahtseilakt - Reputation und Unabhängigkeit können im Zweifel auf dem Spiel stehen. Doch Fehr, der die Namen seiner Geldgeber noch nicht verrät, ist überzeugt: "Es geht nicht ohne Gelder aus privaten Quellen, wenn man im internationalen Wettbewerb mithalten will."

Das jüngste Beispiel ist die Frankfurter Goethe-Universität: Ende März hat die Hochschule für das House of Finance eine Stiftung gegründet. Das Stiftungskapital summiert sich auf 21 Millionen Euro. Es stammt von Banken, Finanzdienstleistern und Versicherungsverbänden. Die neue Stiftung ist die zweitgrößte der Uni. Nur die 2007 gegründete Kassel-Stiftung, die 32 Millionen Euro verwaltet, hat mehr Geld.

Derzeit gibt es im House of Finance rund 30 Lehrstühle mit 200 Wissenschaftlern. Das Jahresbudget liegt bei 14 Millionen Euro, davon stammen zwei Millionen Euro aus privaten Quellen.

Bis 2017 soll der Anteil aus privaten Geldquellen auf mindestens ein Viertel steigen. Mit den neuen Einnahmen will das House of Finance Weiterbildungsangebote aufbauen, aber auch unabhängige Grundlagenforschung bezahlen, aus der Politikberatung entstehen soll. Unter anderem will die Uni auch neue Professoren mit dem Geld bezahlen.

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