Universität zu Köln
Von Weizsäcker stützt Kölner VWL-Kurs

Im Streit um die Ausrichtung der Kölner VWL erhält die Fakultät prominente Unterstützung: Der emeritierte Kölner Ökonom Carl Christian von Weizsäcker stärkt den Modernisierern den Rücken. Die Kritik seiner emeritierten Kollegen Hans Willgerodt und Christian Watrin weist von Weizsäcker zurück.
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"Die Fakultät hat den Ehrgeiz, in Deutschland und eben eigentlich auch in Europa, auf einem vorderen Platz mitzuspielen", schreibt von Weizsäcker in einem Brief an die Kritiker. "Das begrüße ich - und ich bewundere die heute aktiven Fachkollegen für Ihren Mut, neue Wege zu versuchen, alte Wege zu verlassen." Er habe daher "großes Verständnis für die Entscheidungen der Kölner Kollegen". Eine moderne wirtschaftspolitische Forschung und Lehre liege bei ihnen "in guten Händen".

Von Weizsäcker ist einer der international profiliertesten Volkswirte seiner Generation. In den sechziger Jahren forschte er mehrere Jahre an Top-Hochschulen in den Vereinigten Staaten. Bevor er 1986 an die Universität Köln kam, hatte er in Bielefeld, Bonn und Bern gelehrt. Seit seiner Emeritierung im Jahr 2003 ist er Senior Research Fellow am Bonner Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern.

Hintergrund seines Briefes, der dem Handelsblatt vorliegt, ist ein seit Monaten an der Kölner Universität schwelender Streit darüber, wie freie VWL-Lehrstühle besetzt werden sollen. Die Fakultät hat beschlossen, sechs vakante Professorenstellen zu einem Forschungsschwerpunkt für Makroökonomie zusammenzufassen. Die Hochschule hat die Stellen im Paket ausgeschrieben und verhandelt derzeit mit einer Gruppe junger, international ausgerichteter Makroökonomen.

Emeritierte Professoren, eine Reihe prominenter Absolventen und Förderer laufen seit Monaten Sturm gegen diese Pläne. Diese stellten den "guten Ruf der Kölner Wirtschaftswissenschaften, der auf der Praxisnähe des akademischen Unterrichts gerade auch in Fragen der Wirtschaftspolitik beruhte, infrage", schreiben Hans Willgerodt (85) und Christian Watrin (78) in einem Thesenpapier, das dem Handelsblatt vorliegt. Der Schwerpunkt gehe zulasten des alten Markenzeichens der Kölner VWL. Köln war über Jahrzehnte eine Hochburg der ordoliberalen Wirtschaftspolitik. (zum Handelsblatt-Bericht)

Willgerodt und Watrin hatten in einem Thesenpapier unter anderem das Berufungsverfahren kritisiert. Darin sei zu viel Wert auf Publikationen in international anerkannten Fachzeitschriften gelegt worden. Inhaltlich habe man sich aber mit der Forschung der Bewerber nicht auseinandergesetzt.

"Ich wäre auch nicht glücklich, wenn sich ein wissenschaftliches Auswahlverfahren ausschließlich nach den Publikationen in A- Journals oder B-Journals richten würde", räumt von Weizsäcker ein. "Ich glaube allerdings nicht, dass dies im konkreten Fall in Köln so gewesen ist." Generell sei eine "gewisse Gewichtung von Publikationen nach dem Kriterium ihres Erscheinungsorts und dessen internationaler wissenschaftlicher Reputation sicher richtig." Solch ein Vorgehen sei "weitaus angemessener als das in unserem Fach traditionell angewandte Vorgehen".

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