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Untersuchung: Corporate Governance Kodex greift

Die Akzeptanz des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) hat sich laut einer Studie der ...

Die Akzeptanz des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) hat sich laut einer Studie der Unternehmensberatung Towers Perrin weiter erhöht. So ist die durchschnittliche Entsprechensrate zu den DCGK-Empfehlungen bei DAX- und MDAX-Unternehmen von 89% im Vorjahr auf 93% in diesem Jahr gestiegen. Von den 78 untersuchten Unternehmen schneiden die DAX-Unternehmen mit durchschnittlich 96% noch besser ab als die MDAX-Unternehmen mit einer Entsprechungsrate von 92%.
Erfreulich stimmt, dass aktuell 16 Unternehmen (21%) alle 38 untersuchten Empfehlungen akzeptieren. Als einziges Unternehmen verpflichtet sich Altana, sämtliche Kodex-Empfehlungen und-Anregungen einzuhalten. Die Schlusslichter in Sachen Corporate Governance bilden dagegen Aktiengesellschaften wie Fielmann, AMB Generali, Adidas-Salomon und SAP.
Einzig drei Empfehlungen werden von weniger als 70% der Unternehmen verfolgt: Zu ihnen zählen der empfohlene angemessene Selbstbehalt in der D & O-Versicherung, die individualisierte Angabe der Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung im Konzernanhang und die Ausgestaltung variabler Vergütungskomponenten für Aufsichtsratsmitglieder. So weisen aktuell 57% der DAX-Unternehmen die Vorstandsvergütung individualisiert aus. Dies ist jedoch ein deutlicher Anstieg von 13 Unternehmen des DAX und MDAX im Vorjahr auf 33 Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt.
Für 2005 könnte sich die Entsprechungsrate auch aufgrund des politischen Drucks nochmals erhöhen. "Ob jedoch die Erwartungen der Regierung, die bisweilen bei einer Entsprechensrate von 80 bis 90% lagen, bereits in diesem Jahr zu erreichen ist, bleibt fragwürdig", gibt Michael Kramarsch, Managing Partner, Towers Perrin jedoch zu bedenken. "Der Deutsche Corporate Governance Kodex geht erst in seine vierte Runde. In dieser Zeit hat sich bereits vieles bewegt. Ein Stillstand ist noch nicht absehbar. Mit dieser Zuversicht sollte den Unternehmen auch weiterhin ein Umdenken und die damit verbundene Verbesserung ihrer Corporate Governance ohne gesetzlichen Zwang erlaubt sein."
Mit Spannung bleibt zu erwarten, ob und welche Kodex-Änderungen die Cromme-Kommission bei ihrer nächsten Tagung vornehmen wird. So hat die Europäische Kommission eine nichtverbindliche Empfehlung zur Vergütung von Direktoren verabschiedet. Die Mitgliedstaaten haben bis zum 30. 6. 2006 Zeit, den hier festgehaltenen Empfehlungen Folge zu leisten und sie in die Corporate Governance Kodizes einfließen zu lassen. Die Empfehlungen sehen vor, dass börsennotierte Unternehmen die Vergütungs- und Vertragspolitik ihrer Vorstände in einer Erklärung veröffentlichen, die Vergütung der einzelnen Direktoren aufgegliedert nach fixen und variablen Bestandteilen, Altersversorgung, Krediten und Bürgschaften offen gelegt wird und die Jahreshauptversammlung verbindlich oder beratend über die Vergütungspolitik abstimmt. Mit Ausnahme des Detaillierungsgrads in der Offenlegung und der Einbeziehung der Vergütungspolitik in die Hauptversammlung sind die meisten dieser Empfehlungen bereits im DCGK verankert.
Hinsichtlich der zusätzlichen Transparenz von Vergütungssystemen ist dies für die Informationsgrundlage der Aktionäre ein Schritt in die richtige Richtung. Denn entscheidend für die Beurteilung der Vergütung ist nicht allein deren Höhe, sondern vor allem für welche Leistung bzw. welchen Erfolg die Vorstände wie viel an Vergütung erhalten. "Wir befinden uns diesbezüglich in einem weitreichenden Veränderungsprozess und das Umdenken in den Unternehmen bedarf schlicht einer gewissen Zeit. Dies ist auch insofern bedeutend, da in öffentlichen Diskussionen die grundsätzlich unterschiedlichen Board-Strukturen deutscher und angelsächsischer Unternehmen selten Berücksichtigung finden. Es ist nicht sachgerecht, angelsächsische Regelungen zur Corporate Governance eins zu eins in Deutschland umsetzen zu wollen", ermahnt Kramarsch. Für die Auswertung wurden die Entsprechungserklärungen von insgesamt 78 Dax- und MDax-Unternehmen zum Deutschen Corporate Governance Kodex untersucht. Die Analyse konzentriert sich ausschließlich auf die von den Unternehmen abgegebenen Entsprechungserklärungen, da nur diese über § 161 AktG in Bezug auf den Deutschen Corporate Governance Kodex relevant sind.
Eine Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse ist kostenlos erhältlich unter: marketing_germany@towersperrin.com.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 21.02.2005

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