US-Business Schools
Das Ende des Kästchen-Denkens

Praxisfern und verantwortungslos: Der Ruf amerikanischer Business Schools hat in letzter Zeit schwer gelitten, die Bewerber blieben weg. Jetzt bauen die Schulen ihr Ausbildungskonzept komplett um – vernetztes Lernen statt traditioneller Fachunterricht.

NEW YORK. Das Urteil des Meisters fiel vernichtend aus. Jack Welch, der legendäre Ex-Chef von General Electric, und seine Frau Suzy hatten 35 Business Schools in den USA besucht. Diese vermittelten ihren Studenten vor allem „hochgeistige Konzepte“, resümierten sie in einer Zeitungskolumne. „Das mag alles sehr nützlich sein, vor allem, wenn Sie in ein Beratungsunternehmen eintreten. Aber wenn Sie ein echter Manager werden wollen, müssen Sie wissen, auf welche Weise Sie das Maximum von Ihren Leuten erhalten.“ Das war 2006.

Sollte das Ehepaar Welch seine Besichtigungstour in ein, zwei Jahren wiederholen, dürfte der Befund günstiger ausfallen. Denn in den Vereinigten Staaten befindet sich die Ausbildung der Management-Elite in einem dramatischen Umbruch. Die ersten Business Schools haben ihre Lehrpläne vollständig überarbeitet; weitere sind gerade dabei, ihre Curricula zu modernisieren.

Vor zwei Jahren hatte ein viel beachteter Artikel im „Harvard Business Review“ die Lehranstalten aufgerüttelt. Die Autoren Warren G. Bennis und James O’Toole, in den USA angesehene Autoritäten, bemängelten, die Ausbildung sei zu wenig praxisorientiert. Zudem kritisierten sie, den künftigen Vorständen werde zu wenig Rüstzeug für eine verantwortungsbewusste Unternehmensführung vermittelt. Es reiche nicht aus, den Studenten beizubringen, wie sie Aktienkurse maximieren.

Die Analyse von Bennis und O’Toole schockierte die ohnehin verunsicherten Kollegien. Denn die Betrugs- und Korruptionsskandale wie bei dem US-Energiekonzern Enron hatten Schatten auf die Business Schools geworfen. So war Enron-Chef Jeffrey Skilling Absolvent der Harvard Business School. An der Wall Street kursierte das Bonmot, der einzige Weg zu einer ethischen Firmenkultur sei, alle Angestellten mit MBA-Abschluss zu entlassen.

Das angeknackste Image hatte Folgen: In den Anfangsjahren der Dekade gingen die Bewerberzahlen an den Business Schools durchweg zurück. Es bestand Handlungsbedarf.

Als Erste reagierte die Yale School of Management. Ihr neuer Direktor Joel Podolny stellte nach seinem Amtsantritt im Sommer 2005 die Weichen Richtung Reform. Podolnys Erkentnnis: Das jahrzehntealte traditionelle Curriculum, das auf der Vermittlung abgegrenzten Fachwissens beruht, entspricht nicht mehr den Anforderungen einer globalisierten, vernetzten Gesellschaft. „Den Manager, der in einer Firmenabteilung anfängt und sich dort innerhalb der Hierarchie hocharbeitet, gibt es immer weniger. Führungskräfte von heute müssen interdisziplinär denken, fachübergreifend arbeiten und flexibel in unterschiedlichen Funktionen einsetzbar sein.“

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