US-Notenbank Fed
Selbstbedienung für Banken

Milliarden Steuergelder flossen in die Rettung der US-Banken. Die mit den besten Kontakten bekamen am meisten Geld aus dem "Capital Purchase Program" – so belegen es drei Studien. Eine heikle Angelegenheit für Notenbank-Chef Ben Bernanke.
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FRANKFURT. Ben Bernanke hat nicht mehr viel Zeit. Der Chef der US-Notenbank will unter allen Umständen verhindern, dass bekannt wird, welche Bank wie viel Geld im Zuge der Rettungsaktionen während der Finanzkrise von der Fed erhalten hat.

Im März hatte die US-Notenbank bereits einen Prozess um die Offenlegung der Zahlungen verloren und hätte Transparenz zeigen müssen. Doch nichts passierte. Am 28. August erwirkte sie noch einmal einen Aufschub von 60 Tagen, der es ihr erlaubt, das Urteil anzufechten. Die US-Notenbanker begründen das strikte Geheimhalten damit, dass die Empfänger der Hilfsgelder durch eine Veröffentlichung stigmatisiert und gefährdet werden könnten.

Subvention statt Liquiditätshilfe

Für Bernanke ist die ganze Sache heikel. Denn die regionalen Zweigstellen der US-Notenbank sind keine öffentlichen Einrichtungen. Sie gehören den Banken und werden von Bankvertretern kontrolliert. Diese verfügen also über erheblichen Einfluss, wenn die Fed Hunderte Milliarden Dollar an Steuergeldern weitgehend nach Gutdünken unter ebendiesen Banken verteilen darf.

Wie weit die Einflussnahme gehen kann, zeigen zwei Ökonomieprofessoren – Ran Duchin und Denis Sosyura – von der University of Michigan. Sie belegen in einer wissenschaftlichen Studie („TARP Investments: Financials and Politics“), dass es tatsächlich Günstlingswirtschaft gab, zumindest in dem Teil des Bankenrettungsprogramms, bei dem die Daten nicht unter Verschluss der Fed gehalten werden. Die Forscher schauten sich einen Teil des Rettungsprogramms TARP (Troubled Asset Relief Program) genauer an: das Capital Purchase Program (CPP). Im Rahmen des CPP kaufte das Finanzministerium nach Vorprüfung durch die Fed ab Oktober 2008 den Banken Wertpapiere ab, die am Markt nicht mehr verkäuflich waren. 681 Banken erhielten im Rahmen des CPP 205 Milliarden Dollar. Regeln, wem wie viel zu welchem Preis abgekauft wurde, gab es kaum. Eine Aufsichtskommission des Kongresses stellte später fest, dass das Ministerium viel zu viel für die Wertpapiere bezahlt hatte. Das CPP war also nicht nur eine Liquiditätshilfe, sondern eine Subvention.

Eine Schlüsselrolle beim insgesamt 700 Milliarden Dollar schweren Rettungsprogramm spielte die Federal Reserve of New York. Sie ist für die Aufsicht über das weltweit größte Bankenzentrum zuständig. Die wichtigsten US-Banken fallen in ihre Zuständigkeit.

Da es keine vernünftigen Richtlinien dafür gab, welches Institut im Rahmen des CPP wie viel Geld bekommen sollte, untersuchten die Ökonomen mit statistischen Methoden den Einfluss, den die Bilanzgrößen der Banken und politische Beziehungen hatten.

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Kommentare zu " US-Notenbank Fed: Selbstbedienung für Banken"

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  • Warum über den Teich sehen, es gibt in DE genug zu kehren!

    in USA wird dieses aufgedeckt, - in Deutschland dagegen unter den Teppich gekehrt!!

    Korruption ist in DE sicher noch um einiges höher, nur wird dieses von der Presse, Gerichte, Volksvertreter etc. nicht angeprangert, weil diese gemeinsam als Zweckgemeinschaft in die eigener Tasche arbeiten!

    Und der der Deutsche Michel schließt die Augen, - weil es ihm NiCHT SOFORT direkt betrifft.

  • Ein Spitzenartikel!
    Er zeigt wie korrupt doch das politische System ist.

    Einer Kassiererin vom Supermarkt wird gekündigt, wenn sie einen Euro unterschlägt.

    Hier wurden Millionen fehlgeleitet, dem Staat veruntreut.

    Und was geschieht hier?

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