US-Wirtschaft
Enttäuschte Hoffnungen

Die amerikanische Wirtschaft nimmt etwas Tempo auf. Doch bei den Arbeitnehmern kommt davon noch nichts an. Ökonomen und Politik streiten über Abhilfe.
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New YorkVier Jahre nach dem offiziellen Ende der Rezession im Juni 2009 hat sich die wirtschaftliche Lage der USA scheinbar deutlich verbessert: Die Häuserpreise steigen, Unternehmen machen hohe Gewinne und stellen verstärkt ein, Aktien steigen. An einer Gruppe jedoch scheint die Erholung vorbeizugehen: an den Arbeitnehmern, mithin an der Mehrheit der Bevölkerung.

Das National Employment Law Project (NELP), eine unabhängige gemeinnützige Organisation, verglich die mittleren Stundenlöhne von 2012 in rund 800 Berufen mit denen von 2009. Demnach sanken die Stundenlöhne kaufkraftbereinigt im Durchschnitt dieser 800 Berufe um 2,8 Prozent. Für die große Mehrheit der abhängig Beschäftigten war der Stundenlohn im Jahr vier des Aufschwungs geringer als in der vermeintlichen Talsohle der Konjunktur. Die größten Einbußen mussten mit über fünf Prozent unter anderem Köche, Küchenhelfer, Zimmermädchen und Pflegehilfskräfte hinnehmen.

Dass die Situation auch 2013 nicht viel besser geworden ist, zeigt eine Analyse von Sentier Research in Annapolis. Ihre Monatsstatistik weist von Januar auf Februar ein leicht sinkendes mittleres Einkommen aus; seither herrscht Stagnation. "Obwohl wir uns technisch in einer Erholung befinden, zeigen die Zahlen, dass es keinen Aufwärtstrend bei den mittleren Jahreseinkommen gibt", sagt Sentier-Chefökonom Gordon Green.

Zusätzliche Härten kommen auf Geringverdiener zu, wenn sich im Kongress die Republikaner damit durchsetzen, die Hilfe zum Lebensunterhalt zu kürzen. Die Lebensmittelmarken von rund 133 Dollar im Monat beziehen derzeit fast 48 Millionen Amerikaner, 70 Prozent mehr als vor der Finanzkrise.

Laut einer Studie der regionalen Federal Reserve Bank in St. Louis vom Mai dieses Jahres haben amerikanische Familien im Durchschnitt erst 45 Prozent des Vermögens wiedergewonnen, das sie vor der Finanzkrise besaßen. "Junge, schlecht ausgebildete und nicht-weiße Familien verloren einen größeren Teil ihres Wohlstands als andere", sagt James Bullard, Präsident der St. Louis Fed. Denn von den staatlichen Hilfen für überschuldete Hausbesitzer profitierten vor allem die mit solidem Einkommen und guten Perspektiven. Arme und Arbeitslose mussten in die Zwangsversteigerung. Bullard sieht die ungleichgewichtige Entwicklung nicht nur als soziales Problem, sondern auch als Bremse für den Aufschwung.

Kommentare zu " US-Wirtschaft: Enttäuschte Hoffnungen"

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  • Dafür waren die zahlen der Golden Boys gut...
    alle Führenden Geldhäuser hatten tolle zahlen und das trotz der Krise...und Zinsatz Skandalen al a Libor...

  • Möglicherweise könnte es sein, daß die Lügen, Betrügereien (Gelddrucken) und Umdefinitionen statistischer Größen sich nicht so einfach "magisch" in "Realwirtschaft" umsetzen. Sollte das so sein, dann kämen mir doch tatsächlich Zweifel an den Errungenschaften des modernen US-amerikanischen Wirtschafts-Voodoo - aber natürlich nicht ernsthaft, das wäre ja Häresie und Sabotage an der Volkswirtschaft.

    Damit ich weiterhin sicher vor Drohnenangriffen bin, hier also mein wirtschaftliches Glaubensbekenntnis:

    Wenn man z.B. das Bruttosozialprodukt so umdefiniert, daß es um knapp 1% steigt, dann sollte man ja auch schließlich erwarten können, daß dies einem Konjunkturaufschwung entspricht und die Arbeitlosenzahl dadurch entsprechend abnimmt, nicht wahr?
    Der dumme alte Keynes meinte zwar damals noch, dazu müßte man dazu Löcher buddeln und danach wieder zuschütten - dabei kann man mittels der Errungenschaften der modernen US-Finanzmathematik das BSP doch viel bequemer und schneller am Schreibtisch steigern - und wird damit anstrengungslos reich.

    Oder wenn man von einem Aufschwung redet, dann muß sich dieser doch auch realisieren, oder nicht? Alles andere wäre in einer Schneeballsystem-Ökonomie völlig unverständlich. Also, Hoffnungen nicht enttäuschen lassen, dann werden wir alle anstrengungslos magisch reich.

    Oder, wenn man viel Geld druckt, dann wird die Welt doch dadurch reich? Ist ja klar, es gibt mehr Geld.

    Schöne neue Welt! Wann wachen wir auf?

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