Verein für Socialpolitik
Ökonomenpreise für Sinn und Falk

Der Verein für Socialpolitik (VfS) hat auf seiner Jahrestagung im österreichischen Graz Wissenschaftspreise an den Münchener Ökonomie-Professor Hans-Werner Sinn und seinem Bonner Kollegen Armin Falk verliehen. Beide gehören zu den forschungsstärksten Ökonomen des deutschsprachigen Raums.

GRAZ. Genau 20 Jahre trennen den Münchener Ökonomie-Professor Hans-Werner Sinn (60) und seinem Bonner Kollegen Armin Falk (40) - 20 Jahre, in denen sich die Wirtschaftswissenschaften grundlegend geändert haben. Und so stehen Sinn und Falk archetypisch für unterschiedliche Herangehensweisen in ihrem Fach. Methodisch wie inhaltlich könnte die Arbeit der beiden Volkswirte unterschiedlicher kaum sein:

Sinn, der auch das Münchener Ifo-Institut leitet, ist ein neo-klassisch geprägter Finanzwissenschaftler, der die großen wirtschafts- und steuerpolitischen Frage untersucht und in seinen Modellen unterstellt, dass die Menschen rational agieren. Falk dagegen ist ein Experimental-Ökonom, der sich der mikro-ökonomisch ausgerichteten Grundlagenforschung verschrieben hat und in seinen Arbeiten die Annahme des stets rational handelnden Menschen in Frage stellt.

Eines aber verbindet die beiden Wissenschaftler: In ihrer Generation gehören sie zu den mit Abstand forschungsstärksten Ökonomen des deutschsprachigen Raums. Nur wenige andere Volkswirte aus Deutschland genießen international so ein hohes Ansehen wie Sinn und Falk. Jetzt gibt es eine weitere Gemeinsamkeit zwischen ihnen: Der Verein für Socialpolitik (VfS) hat auf seiner Jahrestagung im österreichischen Graz prestigeträchtige Wissenschaftspreise an beide verliehen.

Sinn erhielt als zweiter Ökonom nach seinem Schweizer Fachkollegen Bruno Frey den mit 5000 Euro dotierten Gustav-Stolper-Preis. Mit dieser Auszeichnung ehrt die führende deutschsprachige Ökonomenvereinigung seit dem vergangenen Jahr herausragende Wirtschaftswissenschaftler, die mit ihrer Forschung die öffentliche Diskussion über ökonomische Fragen beeinflusst haben. Falk bekam in Graz den mit 10000 Euro dotierten mit Gossen-Preis, mit dem der VfS seit 1997 junge, forschungsstarke Ökonomen bis 45 Jahren auszeichnet.

Bei beiden Preisträgern handele es sich um "Ökonomen ersten Ranges", betonte der VfS-Vorsitzende Friedrich Schneider in Graz. Ifo-Chef Sinn bewegt sich nicht nur mit seiner Forschung auf internationalem Niveau, er schaltet sich zugleich regelmäßig in tagespolitische Debatten ein - davor schrecken viele andere forschungsstarke Volkswirte zurück. Unter den deutschsprachigen Ökonomen ist Sinn das, was Medienforscher einen "Agendasetter" nennen. Mehrfach ist es dem Münchener in den vergangenen Jahren gelungen, öffentliche Debatten über wirtschaftspolitische Fragen anzustoßen und entscheidend zu prägen. So war Sinn Anfang der neunziger Jahre der erste Ökonom, der lautstark vor einem wirtschaftlichen Scheitern der deutschen Wiedervereinigung warnte. Zehn Jahre später dominierte er die Debatte über den Niedergang des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Sein Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" ist einer der meistverkauften Wirtschaftsbestseller der vergangenen Jahre.

Der Bonner Professor Armin Falk ist dagegen in der breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. In der internationalen Forscherszene dagegen ist er einer der unbestrittenen Stars - regelmäßig versuchen die besten VWL-Fakultäten im In- und Ausland, den 40-jährigen aus Bonn abzuwerben. Falk forscht seit Jahren über die "psychologischen Grundlagen ökonomischen Verhaltens", wie er es selbst formuliert. Von der Europäischen Union erhält er im Rahmen der Wissenschaftsinitiative "European Research Council" über fünf Jahre verteilt 1,3 Millionen Euro für seine Forschung.

Mit Experimenten wies Falk nach: Menschen aus Fleisch und Blut agieren längst nicht so egoistisch und rational, wie es die klassische ökonomische Theorie postuliert. Auch bei ökonomischen Entscheidungen agieren die meisten Menschen als soziale Wesen, legen Wert auf Fairness und denken nicht nur an sich selbst. Neuerdings arbeitet Falk auch mit Hirnforschern zusammen. So zeigte er in einer 2007 in "Science" veröffentlichten Arbeit zum Beispiel: Entscheidend für die Aktivitäten des Belohnungszentrums im Gehirn ist weniger die absolute Höhe einer Bezahlung als das relative Abschneiden im Vergleich zu anderen Test-Teilnehmern.

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