Verein für Socialpolitik
Wenn Ökonomen aufeinanderprallen

Der traditionsreiche Verein für Socialpolitik hatte sich auf einen ruhigen Ablauf seiner Jahrestagung in Göttingen eingestellt. Doch vor Ort veranstalteten Kritiker eine Gegenveranstaltung - mit prominenter Besetzung.
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GöttingenDas jährliche Großereignis der Ökonomen im deutschsprachigen Raum, die Tagung des Vereins für Socialpolitik (VfS), hatte in diesem Jahr einen Schatten, über den die Veranstalter gar nicht glücklich waren. Rund 1000 der 3800 Mitglieder des 1873 gegründeten Traditionsvereins kamen von Sonntag bis Mittwoch nach Göttingen - und sahen sich erstmals in der Geschichte des Vereins Konkurrenz ausgesetzt.

Eine Gruppe von kritischen Wissenschaftlern aus dem Arbeitskreis Real World Economics um Helge Peukert und Christoph Freydorf von der Uni Erfurt hatte ein mehrtägiges Parallelprogramm auf die Beine gestellt. Darin sollten all die Forschungsrichtungen und Forscher Platz finden, die nach Ansicht der Organisatoren ansonsten ausgegrenzt würden.

Mit Publikumsmagneten wie dem Fernsehkabarettisten Erwin Pelzig alias Frank-Markus Barwasser, dem als „Crash-Propheten“ bekannt gewordenen Buchautor Max Otte, dem Wirtschaftsweisen Peter Bofinger und Oskar Lafontaine zogen sie Scharen von Zuhörern an. Obwohl die Parallelveranstaltung ebenfalls auf dem Campus der Göttinger Uni stattfand, straften die meisten Besucher der offiziellen Tagung sie allerdings mit Nichtbeachtung.

Aber man merkte es der Vereinsführung deutlich an, wie sehr sie sich über den Vorwurf ärgerten, der mit dem „Ergänzungsveranstaltung“ getauften Konkurrenzprogramm transportiert wurde: „Der Verein ist keine bornierte Organisation, die mit Scheuklappen durch das Land geht“, sagte der VfS-Vorsitzende Michael Burda, VWL-Professor an der Berliner Humboldt-Uni.

Kommentare zu " Verein für Socialpolitik: Wenn Ökonomen aufeinanderprallen"

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  • ...ich hoffe, sie sind auch mit Taten als Sozialist aufgefallen ...das mit Herzen bzw. der Gesinnungsethik ist so eine Sache...

  • LOL, endlich entzweit sich die Fachidiotie, aber wo vereinigt sie sich endlich mal so in der Praxis, das der normal, nicht in Eliteschranken denkende Mensch, sich da wieder finden kann?
    Es gibt mehr als rechts und links, und es gibt mehr als Geld in rauhen Mengen zu "verdienen".

    "„Vieles, was da drinsteht, sind Selbstverständlichkeiten. Aber wir wollen damit explizit an das Gewissen der Wissenschaftler appellieren, die Regeln immer zu befolgen.“ "
    Boahh, man sind die Leute freundlich.

  • Bei mir im Bücherschrank steht ein hervorragendes VWL - Lehrbuch: "Ökonomics" von Tim Harford.

    Er untersucht u.a., wieso eine Tasse Kaffee überall zu einem ähnlichen Preis verkauft wird, und wer daran verdient.

    In seiner Analyse gelangt er zu 2 Erkenntnissen: 1) Der Grundstücks / Immobilienbesitzer schöpft den Gewinn mehrheitlich ab. 2) Für den Gewinn der Immobilienbesitzer ist das Transportsystem maßgeblich (u.a. erzielen Coffee Stores neben wichtigen U-Bahnhöfen viel größere Umsätze/Gewinne.)

    Wieso sind diese Erkenntnisse für den diskutierten Artikel interessant: Wer hat ein Interesse daran, dass diese Sachverhalte, insbesondere des Immobilienbesitzes in großen Städten, öffentlich diskutiert werden?

    Wieso wird, selbst im VWL Studium, konsequent die Realität ignoriert, z.B. insbesondere in Bezug auf die Geldordnung und ihre Funktionsweise?

    Wieso halten die "Mainstream-Ökonomen" so verbissen an den selbst unsinnigsten Aussagen fest? Meine Antwort darauf lautet, allerdings sollte sich jeder selbst seine eigene Meinung bilden, dass das Theorie-Kartenhaus zusammenfällt, sobald nur eine der geltenden Annahmen geändert wird - und damit sind 99% der Arbeiten der letzten 50 Jahre weitgehend reif für den Papiermüll. Zudem stünden uns unangenehme Diskussionen ins Haus, über Sinn und Zweck der aktuellen Gesellschaftsordnung.

    Und wer möchte diese Diskussion führen? Ein kleiner Teil der "Have Nots" oder der "Intellektuellen". Wer eine kleine Reform der VWL fordert verkennt den Zweck der eigenständigen Disziplin VWL - oder wieso sollte diese dann nicht mit der Politik widervereinigt werden, wenn nicht mehr die "Märkte" das Primat bilden, sondern die "Politik" und es keine per se "rationalen" Entscheidungen gibt in einer unsicheren Zukunft?

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