Verfechter der freien Marktwirtschaft
Nobelpreisträger Milton Friedman gestorben

Bis zuletzt gab sich Milton Friedman als Kämpfer für die freie Marktwirtschaft. Noch im April schimpfte er im „Handelsblatt“ auf wachsenden Staatseinfluss in Westeuropa - eines seiner großen Themen. Der Wirtschaftsnobelpreisträger ist heute in einem Krankenhaus in San Francisco an Herzversagen gestorben. Er wurde 94 Jahre alt.

HB SAN FRANCISCO. Friedman galt als einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts und einer der Vordenker liberaler Wirtschaftspolitik. Friedman lehrte von 1946 bis 1983 an der Universität Chicago. Er war Verfechter der Freien Marktwirtschaft.

Im Zentrum seiner geldtheoretischen Überlegungen stand die These, dass es eine feste langfristige Beziehung zwischen Geldmenge und Inflation (oder auch Deflation) gebe. Auch die Theorie der Natürlichen Arbeitslosigkeit stammte von Milton Friedman.

In Dutzenden Büchern, zahllosen wissenschaftlichen Aufsätzen und Zeitschriftenartikeln plädierte Friedman für eine möglichst freie Marktwirtschaft und ein mäßiges und stetiges Geldmengenwachstum, um die meisten Wirtschaftsprobleme zu lösen und ein dauerhaftes, inflationsarmes Wirtschaftswachstum zu erreichen.

Friedman wetterte gegen staatliche Geldverschwendung und setzte auf die Selbstheilungskräfte des Marktes. Kritiker hielten dem Professor vor, sein Laissez-faire-Liberalismus diene nur der Eigensucht der Unternehmer und lasse die Armen verhungern.

Vor wenigen Monaten erst hatte Friedman den wachsenden Einfluss des Staates in Westeuropa kritisiert. „Man greift hier ein bisschen ein, packt da etwas an und macht dort etwas. Damit wächst der Staat nach und nach“, sagte Friedman im April dem „Handelsblatt“.

Er war die treibende Kraft der so genannten Chicagoer Schule, die den Monetarismus begründete. Danach sollte die Geldpolitik nicht über den Zinssatz, sondern die Geldmenge gesteuert werden. Der Zusammenhang zwischen Geldmengenwachstum und Inflation hat - im Gegensatz zur US-Notenbank - vor allem für die Geldpolitik der Deutschen Bundesbank eine wichtige Rolle gespielt. Auch für Europäische Zentralbank (EZB) ist die Geldmenge in dieser Tradition zumindest noch eine wichtige Messgröße.

Friedman wurde in New York geboren. Seine Eltern waren aus Bessarabien, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte, in die USA eingewandert. Als der Vater starb, musste der hoch begabte Schüler im Alter von 15 Jahren arbeiten, um die Familie über Wasser zu halten. Mit einem Stipendium studierte er später Wirtschaftswissenschaften.

Den Gipfel seines - politischen - Einflusses erklomm er in den 80er Jahren, als zwei seiner Verehrer in Washington und London die Macht innehatten: Präsident Ronald Reagans Wirtschaftsprogramm mit seiner Rückkehr zum marktwirtschaftlichen Liberalismus trug Friedmans Züge. Großbritannien Premierministerin Margaret Thatcher erhob den US-Ökonom zum leuchtenden Vorbild, als sie sich daran macht, den britischen Sozialstaat gründlich umzukrempeln.

Friedman wies schon früh die Theorien von John Maynard Keynes zurück, dass die Wirtschaft erfolgreich mit Hilfe kurzfristiger Änderungen der Nachfrage zum Beispiel über die Staatsausgaben gesteuert werden könne. Keynes dominierte mit seinen Lehren nach der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre jahrzehntelang die amerikanische und europäische Wirtschaftspolitik.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%