Verhältnis von Unternehmen und Politik
Die Wette auf Hitler

Enge Beziehungen zur Politik zahlen sich für Unternehmer aus. So waren deutsche Unternehmen, die vor 1933 enge Beziehungen zur NSDAP pflegten, nach der Machtergreifung Hitlers deutlich im Aufwind, zeigt eine neue Studie. Auch in demokratischen Staaten stehen politisch gut vernetzte Firmen besser da.
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300 000 Euro – diese stolze Summe spendete der Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie laut Bundestagspräsident Norbert Lammert im Mai 2007 an die CSU. Die CDU konnte sich im gleichen Monat über 100 000 Euro vom Verband der Chemischen Industrie freuen, den gleichen Betrag spendierte die Hamburger Capital Lease GmbH der Partei einen Monat später.

Unternehmen und Verbände lassen sich die Pflege der politischen Landschaft in Deutschland jedes Jahr viele Millionen kosten. Allein an Großspenden von jeweils mehr als 50 000 Euro flossen den Parteien im vergangenen Jahr laut Bundestag exakt 4 270 393,30 Euro zu. Die Politikwissenschaft streitet seit vielen Jahren über die Auswirkungen von Parteispenden auf die demokratische Willensbildung. Wie aber steht es mit den ökonomischen Folgen?

Aus Sicht der Spender dürfte das Geld gut angelegt sein – aus der Perspektive der Gesamtwirtschaft aber kaum. Zu diesem Ergebnis zumindest kommt eine Vielzahl von neueren ökonomischen Studien, die den Wert von politischen Beziehungen für Unternehmen beleuchten.

Für Unternehmen zahlen sich gute Drähte in die Politik in aller Regel aus, so das einhellige Fazit der Forschung. Wenn Firmen eng mit Politikern vernetzt sind, laufen ihre Geschäfte deutlich besser. Solche Unternehmen zahlen weniger Steuern, bekommen günstigere Kredite und bekommen in Krisensituationen leichter Hilfe vom Staat. All dies führt dazu, dass sie rentabler sind und an der Börse höher bewertet werden.

Die Studien zeigen auch: Gesamtwirtschaftlich führt diese politische Patronage zu erheblichen Verzerrungen – unter anderem, weil ineffiziente Unternehmen auf Kosten des Steuerzahlers vor dem Aus bewahrt werden. Insgesamt verleitet politische Patronage Unternehmen offenbar zu Schlendrian. Ein Indiz dafür ist, dass ihre Geschäftsberichte deutlich weniger informativ ausfallen.

Dass es auch in modernen Demokratien einen engen Zusammenhang zwischen Parteispenden eines Unternehmens und seinem Geschäftserfolg gibt, zeigen die US-Wissenschaftler Michael Cooper, Huseyin Gulen und Alexei Ovtchinnikov für die USA und die Jahre 1979 bis 2004. Je mehr Kandidaten eine Firma bei Kongresswahlen mit Geld bedenkt, desto besser entwickeln sich ihre Gewinne in der Zukunft. „Parteispenden führen zu abnormen Erträgen“, lautet das Fazit.

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