Volkswirtschaftslehre
Die Rückkehr der herrschenden Klassen

Karl Marx ist tot? Von wegen! Teile seiner Ideen erhalten derzeit Einzug in die moderne Volkswirtschaftslehre. Unter anderem dank Daron Acemoglu, Ökonomie-Professor an der US-Eliteuniversität MIT. Lesen Sie, wie Acemoglu die Theorien von Marx mit der neoklassischen Volkswirtschaftslehre verheiratet.

Wer das Geld hat, hat die Macht. Diese Erkenntnis war in der Wirtschaftswissenschaft lange Zeit in Vergessenheit geraten. Analysen der politischen und wirtschaftlichen Machtverhältnisse in der methodischen Nachbarschaft von Karl Marx hatten über Jahrzehnte im Westen keine Konjunktur.

Hinzu kam, dass die Ökonomie sich immer mehr zur "harten" Wissenschaft wandelte. Volkswirte akzeptierten nur noch Ergebnisse, die aus einem theoretischen Modell abgeleitet waren, das sich stringent mathematisch aufschreiben ließ.

Viele interessante Fragen konnten Ökonomen daher gar nicht behandeln - zum Beispiel, wie politische Struktur und wirtschaftliche Entwicklung zusammenhängen oder warum das chinesische Reich im Lauf der Geschichte seinen Vorsprung gegenüber Europa verlor.

Derzeit aber wendet sich das Blatt. Wirtschaftswissenschaftler sind in der Lage, das komplexe Zusammenspiel von Wirtschaft und Institutionen dynamisch zu modellieren - also so, dass die Institutionen sich als Folge der ökonomischen Umstände ändern können.

Zu denen, die das am erfolgreichsten betreiben, gehört der türkisch-amerikanische Jungstar Daron Acemoglu vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). Mit seinen 41 Jahren hat er bereits ein Veröffentlichungsverzeichnis, das ihn als einen der weltweit führenden Wirtschaftsforscher ausweist.

Acemoglu zeigte zum Beispiel in einer Serie von Studien zum Aufstieg Europas, dass es vorrangig darauf ankommt, wer die Spielregeln bestimmt und wie diese aussehen. Gibt es geschützte Eigentumsrechte und offene Märkte? Wie ist die Regierungsform?

Mit solchen Fragen holte er die Wirtschaftswissenschaft aus ihrem geschichtslosen Nirwana. Das, was kommt, hängt bei Acemoglu immer davon ab, was ist - und nicht von einem zeitlosen theoretischen Gleichgewicht. Erst dieser Ansatz kann erklären, warum sich Länder in ganz unterschiedliche Richtungen entwickeln, obwohl ihre Ressourcenausstattung ganz ähnlich ist.

So kann Acemoglu zum Beispiel erklären, warum Europa zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert dem Rest der Welt wirtschaftlich davoneilte. Im Zentrum stehen die im 16. Jahrhundert einsetzende Kolonialisierung und der Sklavenhandel, der den daran beteiligten Ländern große Gewinne brachte.

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