Volkswirtschaftslehre
Leibniz-Preis für Frankfurter Ökonomen

Roman Inderst, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Frankfurt, hat den Leibniz-Preis erhalten. Im Zentrum seiner Forschung steht das Verhalten privater Geldanleger: Welche Rolle spielt die Beratung, wem vertrauen Anleger? In den kommenden sieben Jahren kann der 39-Jährige über 2,5 Millionen Euro verfügen.
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LONDON. Roman Inderst war auf dem Weg zu einem Treffen mit Forscherkollegen in London, als ihn Ende vergangener Woche am Flughafen die Nachricht erreichte – und er konnte es erst kaum glauben. „Was, ich bekomme den Leibniz-Preis? Ich wusste gar nicht, dass ich nominiert bin“, staunte der 39-jährige Professor für Volkswirtschaftslehre der Universität Frankfurt.

2,5 Millionen Euro bekommt Roman Inderst in den kommenden sieben Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Ausgeben kann er das Geld ganz nach seinen eigenen Vorstellungen und ohne bürokratische Hürden.

Der Leibniz-Preis, den die DFG seit 1986 jährlich für Spitzenleistungen in der Forschung verleiht, ist der mit Abstand am höchsten dotierte Wissenschaftspreis Deutschlands. In diesem Jahr zeichnete die DFG insgesamt zehn Wissenschaftler damit aus. Traditionell dominieren unter den Preisträgern die Naturwissenschaftler. Inderst ist nun nach Axel Ockenfels (Uni Köln) und Armin Falk (Uni Bonn) der dritte Volkswirt, der die Auszeichnung erhält.

Das Verhalten privater Geldanleger steht im Zentrum der Forschung

Inderst, der im vergangenen Jahr bereits einen mit 1,3 Millionen Euro dotierten Forschungspreis der Europäischen Union erhielt, konzentriert sich inhaltlich derzeit vor allem auf das Geldanlageverhalten von Privatanlegern. Im Zentrum der Forschung stehen Finanzmarktaufsicht und Verbraucherschutz.

Gemeinsam mit Psychologen, Experimental-Ökonomen und Juristen untersucht er, wie Privatanleger ihre Anlageentscheidungen treffen, welche Rolle die Beratung dabei spielt und wem die Anleger vertrauen. Dabei arbeitet er mit theoretischen Modellen, mit Experimenten und mit realen Daten. „Roman Inderst ist einer der innovativsten deutschen Volkswirte“, sagt Justus Haucap, Vorsitzender der Monopolkommission. „Seine Forschung ist nicht nur theoretisch exzellent, sondern auch sehr politikrelevant.“

Inderst ist im Jahr 2006 von der London School of Economics an die Universität Frankfurt gewechselt, zuvor war er auch an der renommierten Business-School Insead in Frankreich tätig. Laut Handelsblatt-Ökonomenranking gehört er zu den mit Abstand forschungsstärksten Volkswirten des deutschsprachigen Raums. Niemand sonst hat in den vergangenen fünf Jahren so viel in international renommierten Fachzeitschriften publiziert wie Inderst. Fast ein Viertel der Forschungsleistung der Frankfurter Volkswirte ist in den vergangenen zehn Jahren auf ihn entfallen.

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