Volkswirtschaftslehre: Mannheimer Volkswirte rüsten kräftig auf

Volkswirtschaftslehre
Mannheimer Volkswirte rüsten kräftig auf

Gerard van den Berg, seit kurzem Professor für Volkswirtschaftslehre in Mannheim, hat ein Problem, um das ihn seine Kollegen beneiden dürften: 3,5 Millionen Euro muss der 47-jährige Niederländer in den nächsten fünf Jahren für seine Forschung ausgeben. Mit der neuen Denkfabrik könnte die Mannheimer VWL in die europäische Spitze vorstoßen.
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LONDON. Für einen Ökonomen ist das gar nicht so einfach. Denn anders als Physiker, Mediziner oder Astronomen brauchen Volkswirte weder einen teuren Gerätepark noch riesige Forscherstäbe, – ihnen reicht in aller Regel ein Schreibtisch mit Computer und ein paar Datensätze. „Unsere Forschung“, sagt van den Berg, „ist nicht so teuer wie die von Naturwissenschaftlern.“

Die Millionen bekommt der Niederländer von der Humboldt-Stiftung: Seit 2008 schreibt sie jährlich acht sogenannte Alexander-von-Humboldt-Professuren aus. Diese sind mit 3,5 bis fünf Millionen Euro dotiert und sollen erstklassige ausländische Wissenschaftler an deutsche Unis locken. 16 Professoren hat die Stiftung in den letzten beiden Jahren ausgewählt.

Van den Berg, der zuvor in Amsterdam lehrte, ist der erste Ökonom, der eine dieser Stellen erhalten hat. Er ist einer der weltweit führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der empirischen Wirtschaftsforschung. Mit mathematischen Methoden und Daten aus dem realen Leben versucht er, ökonomische Effekte zu messen.

Ein neues Forschungszentrum für Ökonometrie entsteht

So hat er festgestellt, dass Menschen, die in einer Rezession geboren werden, als Erwachsene eher an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben. In einer anderen Studie fand er heraus: In Deutschland haben Trainingsprogramme, die Arbeitslosen helfen sollen, eher abschreckende Wirkung. Wer an solchen Fördermaßnahmen teilnehmen soll, unternimmt vorher meist deutlich größere Anstrenungen bei der Jobsuche, um das zu verhindern.

„Die Gewinnung Professor van den Bergs ist ein Meilenstein für unsere VWL“, freut sich der Mannheimer Uni-Rektor Hans-Wolfgang Arndt. „Sie verbessert ihre Chancen, in die europäische Spitze vorzustoßen.“

Mit den Humboldt-Millionen baut van den Berg in Mannheim ein neues Forschungszentrum für empirische Ökonomie auf. Mit einem Großteil des Geldes will er sechs Stellen für Nachwuchswissenschaftler finanzieren, die gerade promoviert haben.

Thematisch soll sich die neue Denkfabrik auf die Themen Arbeitsmarkt- und Gesundheit konzentrieren. Zusammen mit seinem Mannheimer Statistikkollegen Enno Mammen will van den Berg zudem ökonometrische Methoden weiterentwickeln.

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  • Wie jetzt? Wegen eines Neuzugangs sollen die Mannheimer jetzt in die europäische Spitze vordringen?

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