Vorwürfe gegen Ulrich Lichtenthaler
Uni Mannheim holt externe Gutachter

Er war einer der forschungsstärksten Betriebswirte und das machte die Kollegen misstrauisch. Die Universität Mannheim will nun die Plagiatsvorwürfe gegen den BWL-Professor Ulrich Lichtenthaler vollständig aufklären.
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LondonPlötzlich ging alles ganz schnell: Drei Werktage, nachdem das Handelsblatt über schwere Vorwürfe gegen den Mannheimer Betriebswirt Ulrich Lichtenthaler berichtet hatte, nahm die Untersuchungskommission der Hochschule am vergangenen Dienstag ihre Arbeit auf - einige Mitglieder mussten dafür ihren Sommerurlaub unterbrechen.

Bereits vor mehr als sechs Wochen hatte Lichtenthaler und die Herausgeber einer Fachzeitschrift die Uni über die Vorwürfe informiert. Der Mannheimer Rektor Hans Wolfgang Arndt wehrt sich aber gegen den Eindruck, die Hochschule habe zu zögerlich reagiert: „Wir sind seit Anfang Juni rastlos tätig, mussten aber erstmal viele Verfahrensfragen klären."

Die Uni sei an einer „vollständigen, gründlichen und schnellstmöglichen Aufklärung interessiert." Es sind drei Vorwürfe, mit denen der 33-jährige Betriebswirt Ulrich Lichtenthaler konfrontiert wird. Erstens soll er ohne Querverweise sehr ähnliche Arbeiten in mehreren Fachzeitschriften veröffentlicht haben. Zweitens sollen zwischen diesen Studien inhaltlich Widersprüche existieren, die die Schlussfolgerungen infrage stellen.

Drittens soll es in manchen Papieren gravierende statistische Fehler geben - Ergebnisse, die nicht signifikant sind, werden trotzdem so dargestellt. Nach Einschätzung der Herausgeber der Fachzeitschrift „Research Policy", die zwei Arbeiten widerrief, bestehen „schwere Zweifel an der Validität und Robustheit der Schlüsse" nicht nur an den bei ihnen veröffentlichten Arbeiten, sondern auch mehreren anderen Studien.

Lichtenthaler räumt einen Teil der Fehler ein. Dem Forscher fielen die Fehler in der Statistik laut Presseerklärung der Universität bei „nochmaliger Prüfung der Publikationen" auf. Er habe die Hochschulleitung von sich aus informiert, teilte Lichtenthaler in der vergangenen Woche dem Handelsblatt mit. Die Fehler seien nicht bewusst entstanden, und er bedauere sie sehr, versicherte er dem Handelsblatt. Zu den Details könne er sich während des laufenden Verfahrens nicht äußern.

Zwei Fachzeitschriften haben seit Anfang Juni drei Arbeiten von Lichtenthaler offiziell zurückgezogen, eine Reihe weiterer Journale prüft derzeit die Vorwürfe. „Es ist möglich, dass wir in den nächsten sechs Monaten eine ganze Reihe von weiteren Widerrufen sehen werden", sagte ein Forscher, der mit den Details des Vorgangs vertraut ist, dem Handelsblatt. Allein die statistischen Fehler fänden sich in rund einem Dutzend weiterer Arbeiten.

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Unregelmäßigkeiten bei einer Reihe von Arbeiten

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  • die Zeiten haben sich geaendert. und was frueher redlich war kann heute unredlich sein.
    ich finde dass jemand kein "brillianter Wissenschaftler" ist wenn er seine Publikationsliste unredlich aufblaeht.

  • Eigenplagiat bedeutet, das Gleiche mehrfach veröffentlichen. Damit werden Publikationslisten aufgebläht. Das ist unredlich.

  • Wissenschaftliches Fehlverhalten zu verharmlosen hift hier auch nicht weiter. Die Statistik-Fehler in den besagten Artikeln sind so gravierend, dass so jemand nicht ernsthaft vorhaben kann, weiter Professor zu bleiben. Aber wahrscheinlich wird ihm selbst im Ruhestand noch eine hohe Pension gezahlt werden. Den Schaden trägt wie immer der Stuerzahler und beide betreffenden Unis versuchen, alle Vorwürfe von sich zu weisen...

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