VWL-Comedy
Lächerliche Ökonomie

Wie ein Doktor der Volkswirtschaftslehre aus Seattle als erster VWL-Kabarettist der Welt seine Disziplin auf die Schippe nimmt. Der Mann hat nur ein Problem: Außerhalb der Ökonomenzunft versteht kaum jemand seine Witze.
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Eine Karriere als ökonomischer Kabarettist? Davon hält der Vater gar nichts. „Lass das bleiben, dafür gibt es keine Nachfrage“, rät Joel Bauman seinem Sohn Yoram. Kontert der Sohn: „Vater, ich bin angebotsorientierter Ökonom.“

Mit dieser Anekdote eröffnet Yoram Bauman stets seine Comedy-Vorstellung. Und ob Keynesianer oder Neoklassiker, fest steht: Der 34-Jährige Doktor der Ökonomie aus Seattle hat eine Marktlücke entdeckt. Seit vier Jahren tritt er als Kabarettist der besonderen Art auf – seine Sketche kommen der Welt der Wirtschaftswissenschaften. Zum Teil sind es Parodien, zum Teil auch echte Stilblüten. „Ich bin der weltweit erste und einzige StandupEconomist“, behauptet Bauman, und bisher hat ihm keiner widersprochen. Der Markt für diese spezielle Art von Humor ist – Angebotstheorie hin oder her – wohl auch ziemlich eng. Immerhin setzt das Verständnis der Gags einige Vorkenntnisse voraus. Daher wird der schlaksige Brillenträger vor allem von Kollegen gebucht: College-Lehrern, Hochschuldozenten, Verbandsleuten.

Gerne spielt Bauman mit dem wirtschaftswissenschaftlichen Jargon, setzt ihn in sachfremden Kontext und ironisiert auf diese Weise den Sinngehalt. So verwandelt er die in den USA populäre Polit-Forderung „Holt die Truppen nach Hause“ in die blutleere Ökonomen-Aussage „Die Kosten des Irak-Kriegs übersteigen den Nutzen“. Auch die Methodengläubigkeit der Zunft nimmt er gern aufs Korn – zum Beispiel die Vorliebe, Trends aus der Vergangenheit in die Zukunft zu extrapolieren. Mit Blick auf den immer früheren Beginns des Weihnachtsgeschäfts bedeute dies zum Beispiel: Die Weihnachtssaison 2048 beginnt, bevor Heiligabend 2047 vorüber ist.

Ökonomische Studien mit Titeln wie „Makroökonomische Politik und die optimale Zerstörung von Vampiren“, „Über die Effizienz der Musikgruppe AC/DC“ und „Japans Phillipskurve sieht aus wie Japan“ sind ein gefundenes Fressen für Bauman. Manche Studien sind echt, andere erfunden – aber alle sind herrliches Material für den Komiker, der nur vorlesen muss, um Lacherfolge zu erzielen: „In den vergangenen Jahrhunderten hat eine Reihe namhafter Forscher vorgeschlagen, alle Vampire zu vernichten. Diese Studie kommt zu dem Ergebnis, dass dies unten beschriebenen Annahmen gesellschaftlich nicht optimal wäre.“

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