VWL-Studenten
In der Theorie verloren

Der Methodenstreit in der Volkswirtschaftslehre ist in den Hörsälen angekommen: Ökonomie-Studenten klagen über zu viel Theorie und Dogmatik, sie bemängeln den fehlenden Bezug zum wirklichen Leben. Egal ob traditionelle oder moderne Makroökonomie - die meisten Studenten wünschen sich von ihren Professoren einen kritischeren Umgang mit dem erlernten Wissen.
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KÖLN. Was für eine Frage! Die gut 400 Studenten im Hörsaal I der Universität Köln antworten mit höhnischem Gelächter. "Wer ist der Meinung, in seinem VWL-Studium etwas zu lernen, das zum Verständnis der realen Welt beiträgt?" hatte der Moderater gefragt. Die Besucher der Podiumsdiskussion über die künftige Ausrichtung der Volkswirtschaftslehre an der Kölner Universität sind amüsiert - es meldet sich niemand.

Der Methodenstreit unter deutschen Volkswirten, zu Jahresbeginn durch emeritierte Professoren ins Rollen gebracht, ist in den Hörsälen angekommen. Wer sich dort umhört, merkt schnell: Mit Blick auf die Lehre teilen viele Studenten die Kritik, das Fach sei zu weltfremd und mathematisch. Die modernen Methoden lehnen sie zwar nicht pauschal ab, fordern aber ein, dass die Dozenten sie in den Vorlesungen auch hinterfragen und einordnen. Das ist bisher längst nicht selbstverständlich.

Köln war der Ausgangspunkt der Debatte. Die Volkswirte der Fakultät wollen sechs frei gewordene Professuren zu einem Forschungsschwerpunkt für quantitative Makroökonomie bündeln. Die traditionelle Wirtschafts- und Ordnungspolitik, deren Vertreter wirtschaftliche Probleme gerne verbal und mit Rückgriffen auf die Philosophie erörtern, wird es dann nicht mehr geben - dabei war der Bereich lange das Aushängeschild der Fakultät.

Die wissenschaftliche Neuausrichtung der Kölner Volkswirte ist einmalig - noch nie hat eine Fakultät dermaßen radikal und schnell ihr Konzept geändert. Die Verfechter der alten Schule, darunter viele ältere Professoren und Emeriti, lehnen den Kurswechsel vehement ab. Ihnen gegenüber stehen die Befürworter der modernen Methodik: Meist jüngere Forscher zwischen Mitte 30 und Ende 40, die sich am internationalen wissenschaftlichen Standard orientieren und die Ökonomie mit mathematischen Methoden betreiben.

Viele Studenten unterstützen dabei die Traditionalisten, zeigt eine Internetumfrage der Kölner Fachschaft, an der sich fast 1 500 Studenten beteiligt haben: 48 Prozent sprechen sich dafür aus, dass die Fakultät ihren ordnungspolitischen Kurs beibehält. Nur 36 Prozent votieren für die moderne Makroökonomie.

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