Wachsende Kritik an "Happiness Economics"
Zangenangriff auf die Glücksökonomie

Kaum ein Forschungszweig in der VWL boomt so sehr wie „Happiness Economics“. Die Disziplin stellt viele Erkenntnisse der bisherigen Ökonomie in Frage. Jetzt gehen traditionelle Wirtschaftswissenschaftler zum Gegenangriff über - allen voran Nobelpreisträger Gary Becker. Aber auch von links kommt immer mehr Kritik.
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„Jeder will glücklich sein“ – mit diesen Worten beginnt das Buchs „Happiness Economics“ der Schweizer Ökonomen Bruno Frey und Alois Stutzer. „Es gibt wohl kein anderes Ziel im Leben, über das solche Einigkeit besteht“, stellen die Forscher fest – um sich dann zu wundern, warum sich Wirtschaftswissenschaftler so wenig mit dem Thema Glück auseinander setzen und ihren Analysen lieber andere, meist materielle Ziele des Menschen zugrunde legen.

Das war vor fünf Jahren. Heute sind Bestimmungsgründe der Lebenszufriedenheit zu einem heißen Forschungsobjekt geworden. Althergebrachte Erkenntnisse der Ökonomie werden dabei über den Haufen geworfen.

Nun schlägt die traditionelle Ökonomie zurück. Glücksökonomen haben ihre Narrenfreiheit verloren, seit sich auch traditionell ausgerichtete Volkswirte, ernsthaft mit ihren Ergebnissen auseinandersetzen müssen. Was sie zu Tage fördern, setzt die Fundamente der Glücksökonomie einer argen Belastungsprobe aus.

Zur diesen Fundamenten gehören zwei wichtige Annahmen. Erstens: Fragt man die Menschen, wie glücklich oder zufrieden sie mit ihrem Leben sind, so erfährt man, wie gut es diesen Leuten geht. Zweitens: Die Steigerung der Lebensqualität ist ein sinnvolles Ziel staatlichen Handelns.

Was Glücksökonomen unter diesen Prämissen ableiten, hat es in sich. So schälte sich als Konsens heraus, dass Einkommenszuwächse die Menschen zwar zufriedener machen, aber nur verhältnismäßig wenig und nur für kurze Zeit. Außerdem stifte uns überall dort, wo die Grundbedürfnisse befriedigt sind, zusätzliches Einkommen nur noch deswegen Nutzen, weil wir im Vergleich mit anderen besser dastehen, also an Status gewinnen. Für die gesellschaftliche Sicht heißt das: Wenn das Einkommen aller gleichzeitig steigt, macht uns mehr Einkommen nicht oder nur wenig zufriedener.

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