Währungsunion
Explosionsgefahr beim Euro

Auch wenn der Euro gerade tief in der Krise steckt, ist er doch eigentlich als Projekt für die Ewigkeit angelegt. Doch was würde passieren, wenn die Währungsunion ein jähes Ende nähme? Studien legen nahe: wenn die Einheitswährung scheitert, dann wegen politischer Differenzen - nicht wegen wirtschaftlicher.
  • 17

LONDON. Es handelt sich um ein Projekt für die Ewigkeit - zumindest auf dem Papier. Der Euro, so postuliert der Vertrag von Lissabon gleich an mehreren Stellen, ist "unwiderruflich". Es gibt keine Austrittsklausel bei der Europäischen Währungsunion, keine Möglichkeit des Ausschlusses einzelner Länder und keine Planungen für die Zeit danach.

So weit die Theorie. In der Praxis fragen sich vor allem in Großbritannien und den Vereinigten Staaten immer mehr Finanzexperten, wie lange die Europäische Währungsunion noch hält. Selbst EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy schließt einen Zusammenbruch des Währungsraums nicht mehr aus. "Wir müssen alle zusammenarbeiten, um das Überleben der Euro-Zone zu sichern", sagte er jüngst.

Und schon im Mai soll Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy mit einem Ausstieg aus der Euro-Zone gedroht haben, falls Deutschland sich der Griechenland-Rettung verweigert. Für Ökonomen ist das Ende von Währungsunionen noch ein kaum erforschtes Gebiet. Die wenigen Studien, die dazu vorliegen, legen vor allem einen Schluss nahe: Falls die Euro-Zone auseinanderbrechen sollte, dann wahrscheinlich eher, weil es am politischen Willen fehlt, und nicht, weil es unüberbrückbare wirtschaftliche Unterschiede gibt.

Seit dem 2. Weltkrieg haben fast 70 Länder Währungsunionen verlassen

"Makroökonomische Faktoren haben historisch bei der Auflösung von Währungsunionen eher eine untergeordnete Rolle gespielt", lautet das Fazit einer Studie des Darmstädter Ökonomie-Professors Volker Nitsch, der den Zusammenbruch von Währungsunionen zwischen 1948 und 2007 systematisch untersucht hat.

In seiner Arbeit mit dem Titel "Have a break, have a national currency: When do monetary unions fall apart?" stellte er fest: Eine der häufigsten Ursachen dafür, dass Länder eine gemeinsame Währung aufgegeben haben, ist das Ende einer politischen Union. Rein ökonomische Faktoren wie Unterschiede beim Wirtschaftswachstum oder der Staatsverschuldung sind dabei nicht entscheidend. Die einzige Ausnahme stellt Nitsch bei der Inflationsentwicklung fest: Wenn sich die Teuerungsraten in zwei Ländern dauerhaft stark voneinander unterscheiden, steige die Wahrscheinlichkeit, dass diese Staaten eine Währungsunion auflösen.

Dass es für die Stabilität von Währungsunionen vor allem auf den politischen Willen ankommt, bestätigt auch eine Studie von Andrew Rose, Ökonomie-Professor an der Haas School of Business der Berkeley-Universität. Wirtschaftskrisen sind in aller Regel nicht der Grund für das Ende von Gemeinschaftswährungen, so ein Ergebnis seiner Studie mit dem Titel "Checking out: Exits from currency unions". Rose: "Die Auflösung von Währungsunionen geht in aller Regel mit bemerkenswert wenig makroökonomischen Turbulenzen einher."

Seite 1:

Explosionsgefahr beim Euro

Seite 2:

Kommentare zu " Währungsunion: Explosionsgefahr beim Euro"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ ARMER iRE beides sollte schon längst passiert sein,keiner hat Lust ausser die unheilige Allianz Politik,Wirtschaft,Finanzindustrie,also die Lobbyisten.Diesen Schrott fortzusetzen mit der Leistung anderer sich einen Wohlstand anzueignen,kommen die Europaweit sehr gut klar,die karre in den Dreck zu reiten auch egal in welchen Land.Di schere klafft nicht zwischen dir und mir ,sondern EU-weit zwischen der Lüge die Völker nur benutzt zu haben für einen beschissenen vortril auf den Konto Von Parteien aller CDU/FDP/SPD,sieh dir nur den Seinbrück an und sag mir wo seine Leistung zu suchen ist ausser das er das Deutsche Volk mit ausgesaugt hat und so was schreibt bücher.zum Kotzen.


  • NEiN! iMPLOSiONSGEFAHR bEiM EURO !
    GLObAL THiNKiNG !
    [15] Kopiere ihren Link der Uni Pittsbourgh, damit er hier erhalten bleibt:
    “Monetary Union without Fiscal Union: A Politically Sustainable Asymmetry?”
    [5] Das Handelsblatt könnte ihren Kommentar meiner Meinung nach getrost aufs Titelblatt dieser Wirtschaftszeitung setzen. So wahr ist er.
    Manches ist dieser Tage im Umlauf, was blanker Unsinn wäre, es zu tun. Zum beispiel, die von Henkel veröffentlichte idee zweier subversiver Währungen in einem Staatenbund.
    Wenn Staatsschwäche zu Staatsschwäche gehörte, so wäre der Logik folgend demjenigen Land, was aus der Euro-Währung austritt, die Einführung des US-$ zu empfehlen. Auch ideen einer Nord-Süd-Währung ordne ich demzufolge so ein!
    Hier träumen Menschen von einer weltumspannenden Eins-Währung aus dem Eine-Welt-Shop. Aber dies ist nicht die Welt in der wir leben.
    Die Aufsicht der Nationalwährung muß bei den gewählten Regierungen verbleiben. Die Übergabe von befugnis der bundesbank auf die EZb z.b. entspricht ebenso einer Unterordnung, die keinen bestand haben wird.
    Zu dem Gefasel der Klimakatastrophe bin ich der Meinung, daß sie jeglicher Grundlage entbehrt.
    Die Grundlage unseres Lebens auf dieser Erde ist die Sonne! Punkt
    Kohlendioxid zu vergraben ist eine moderne Form abergläubischen Ritualisierens. Dieser Gott heißt: Mammon einer Miniclique. Wieder Punkt

  • “Monetary Union without Fiscal Union: A Politically Sustainable Asymmetry?”
    Gustavsson, Sverker. (1999) “Monetary Union without Fiscal Union: A Politically Sustainable Asymmetry?” . in European Union Studies Association (EUSA) > biennial Conference > 1999 (6th), June 2-5, 1999, pages 33, Pittsburgh, PA.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%