Wegen Missbrauchsfällen
Gläubige flüchten in Scharen aus US-Kirchen

Der sexuelle Missbrauch von Kindern durch Priester hat die katholische Kirche in eine tiefe Krise gestürzt. In den USA profitieren andere Glaubensrichtungen davon massiv, wie eine Studie zeigt.
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LondonSolch einen Skandal hat die katholische Kirche in ihrer fast 2000-jährigen Geschichte noch nicht erlebt: Systematisch und jahrelang haben Kirchenführer in vielen Ländern in den vergangenen Jahrzehnten den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Priester gedeckt.

Geistliche, die sich an Kindern vergangen hatten, wurden weder angezeigt noch aus dem Kirchendienst entlassen, sondern häufig nur in andere Gemeinden versetzt, wo sie neue Opfer fanden. Rund vier Prozent aller amerikanischen Priester, die zwischen 1950 und 2000 tätig waren, sollen Kinder missbraucht haben.

Die traumatisierten Opfer leiden oft noch Jahre später unter dem Missbrauch. Auch für die Religionslandschaft insgesamt hat der Skandal spürbare Folgen – zumindest in den Vereinigten Staaten haben sich die Gewichte zwischen den verschiedenen christlichen Kirchen dadurch deutlich verschoben. Zu diesem Ergebnis kommt der amerikanische Ökonom Daniel Hungerman in einer bemerkenswerten Studie.

Der Wissenschaftler, der an der katholischen University of Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana forscht, liefert nicht nur handfeste empirische Belege dafür, dass zwei Millionen Gläubige wegen der Sexskandale aus der katholischen Kirche ausgetreten sind. Als erster Wissenschaftler kann er zudem zeigen: Andere Religionsgemeinschaften haben davon massiv profitiert.

Viele empörte Katholiken haben sich nicht etwa komplett von der Religion abgewandt, sondern haben sich anderen Glaubensrichtungen angeschlossen. Das macht sich in steigenden Mitgliederzahlen bemerkbar und hat auch finanzielle Folgen. Hungerman schätzt, dass die katholische Kirche in den USA zwischen 2002 und 2007 aufgrund des Skandals mindestens drei Milliarden US-Dollar weniger Spenden erhielt. Das Geld floss anderen Religionsgemeinschaften zu.

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  • Religion ist ... ein Geschäftsmodell!

  • Wie man sieht, werden sogar die Massen klüger. Wenn sie's dann ganz geschafft haben werden, laufen sie auch den anderen Glaubensgemeinschaften nicht mehr zu - hehe!

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