Welche Rolle der wissenschaftliche Stab für die Wirtschaftsweisen spielt
Die heimlichen Wirtschaftsweisen

In dieser Woche stellen die "Wirtschaftsweisen" ihr neues Jahresgutachten vor. Einen Teil davon haben die fünf Professoren gar nicht selbst geschrieben - er stammt vom wissenschaftlichen Stab des Rates. Der war in der Vergangenheit ein Karriere-Sprungbrett für Jung-Ökonomen, quält sich aber neuerdings mit Nachwuchssorgen.
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29 Jahre sind vergangen, seit Peter Bofinger einen Platz am Ende eines langen Sitzungstisches in Wiesbaden eingenommen hatte. 23 Jahre alt, das Diplom gerade in der Tasche, begann er seinen ersten Job und machte „eine Lehre in Volkswirtschaftslehre“, wie er sagt: als Mitglied des wissenschaftlichen Stabes im Sachverständigenrat. Heute – die Tischordnung des traditionsreichen Gremiums verrät viel – sitzt der Professor am anderen Ende nahe dem Vorsitzenden und gehört dem Rat an.

Wenn in wenigen Tagen der Sachverständigenrat sein Jahresgutachten vorlegt, stehen wie jeden November Bofinger und die anderen vier „Wirtschaftsweisen“ im Rampenlicht. Einen bedeutenden Teil der Arbeit haben aber auch dieses Mal ihre Zuarbeiter vom hinteren Tischende erledigt, der wissenschaftliche Stab.

„Das Gutachten entsteht in Teamarbeit – dabei sind die Beiträge der Stabsmitglieder unverzichtbar“, sagt der Vorsitzende des Rates, Bert Rürup, immer wieder. Wie lehrreich die Arbeit im Stab für junge Ökonomen ist, zeigt die Liste der ehemaligen Mitarbeiter, die anschließend Karriere gemacht haben: Von Heiner Flaßbeck und Peter Bofinger bis zu Michael Hüther und Jens Weidmann haben Ökonomen unterschiedlichster Couleur dort gearbeitet. „Kaderschmiede“ wird der Stab hinter dem Rat in der Szene daher auch genannt.

Ob das auch in Zukunft so bleibt, ist allerdings fraglich. Denn die Konkurrenz um hochklassigen Nachwuchs ist deutlich schärfer geworden. Wer eine Laufbahn in der angewandten Wirtschaftsforschung anstrebt, hat heute deutlich mehr Alternativen. Vor allem die Europäische Zentralbank (EZB) ist neben diversen öffentlichen Banken, OECD und der Weltbank hinzugekommen. „Wir ziehen heute häufiger als früher den Kürzeren, weil Konkurrenten um gute Kandidaten wie die EZB deutlich besser bezahlen können“, gesteht Rürup ein.

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