Weltökonomen
Sarkozys Sancho Pansa

Auf wen hören die Mächtigen in Wirtschaftsfragen, wer gibt Denkanstöße? Mit Xavier Musca hat sich Frankreichs Staatspräsident einen zurückhaltenden, aber überaus praxistauglichen Wirtschaftsberater an seine Seite geholt. Inhaltlich trifft Musca im Elysée-Palast allerdings auf einen einflussreichen Gegenspieler.
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PARIS. Journalisten und Fotografen wird die Zeit oft lang, wenn sie im goldverzierten Festsaal des Elysée-Palastes auf den Presseauftritt von Staatschef Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einem ihrer Arbeitstreffen warten. Die Reporter beginnen dann zu diskutieren, und die Fotografen gehen auf Motivjagd, lichten ab, was gerade so vor die Linse kommt - zum Beispiel, wie Außenminister Bernard Kouchner feixend und grüßend den Raum betritt. Wenn aber Xavier Musca in den Saal kommt, drückt niemand auf den Auslöser.

Die meisten dürften den gedrungen wirkenden Mann mit dem großem Kopf und den akkurat gekämmten grauen Haaren nicht einmal kennen. Dabei dürfte Musca bei einigen außenpolitischen Fragen wie der Regulierung der Weltfinanzarchitektur mehr zu sagen haben als Minister Kouchner: Denn der Ökonom Musca ist seit dem Frühjahr Sarkozys neuer Wirtschaftsberater und zählt damit zum engsten Zirkel der Macht.

Zurückhaltend, bescheiden, brillant - so beschreiben Ex-Kollegen im Finanzministerium den 49-Jährigen. Und wenn der Absolvent der Elite-Schmiede Ena auf sein wenig extrovertiertes Wesen angesprochen wird, antwortet er: "Aber der Präsident, das ist doch ein großer Kommunikator."

Interviews, öffentliche Auftritte - all das liege Musca nicht, sagt einer seiner ehemaligen Mitarbeiter aus dem Finanzministerium, wo er den größten Teil seiner Karriere verbracht hat. Umso lieber verhandelt er dagegen bis ins Detail über Eigenkapitalregeln von Banken oder internationales Steuerrecht.

Und genau das ist sein Job: Der gebürtige Korse soll für Staatschef Sarkozy und Frankreich die Verhandlungen mit den G20-Staaten über die Neuordnung des internationalen Finanzsystems führen. Mit der Benennung Muscas reagiert Sarkozy in gewisser Weise auf die Wahl von Barack Obama in den USA - denn dieser umgibt sich mit Top-Ökonomen wie Laurence Summers, dem früheren Finanzminister von Bill Clinton, oder Ex-Notenbank-Chef Paul Volcker.

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