Weltwirtschaft
Neue Wirtschaftswunder gibt es nimmer wieder

Wenn das vergangene Jahrzehnt eines gelehrt hat, dann dies: Die fantastische Zeit der ökonomischen Illusionen endet. Die Überschuldung von Staaten und Banken macht neue Wachstumswunder unmöglich. Warum die nächsten Jahre überaus hart werden - und die Welt einen politischen und wirtschaftlichen Neuanfang braucht.
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DÜSSELDORF. Wenn sich die Weltelite alle Jahre wieder Ende Januar in Davos zum Weltwirtschaftsforum trifft, lässt sich der Gemütszustand unseres Planeten stets besonders gut ertasten. In den letzten Jahren standen die Analyse der globalen Finanzkrise und die kollektive Kapitulation vor den gigantischen Auswirkungen des Desasters im Mittelpunkt. Die Stimmung der intelligentesten und mächtigsten Besserwisser der Welt war am Boden zerstört, nachdem sie 2007 noch unglaublich euphorisch gewesen war.

In wenigen Wochen, beim 40. Weltwirtschaftsforum in den Schweizer Bergen, wird wohl wieder die Verzweiflung regieren. Das jedenfalls deutet das Motto des nächsten Treffens freimütig an: "Improve the State of the World: Rethink, Redesign, Rebuild". Auf den Punkt gebracht: Lasst uns noch mal ganz von vorn beginnen, wir stecken alle miteinander bis zum Hals im Schlamassel. Die Welt braucht einen politischen und wirtschaftlichen Neuanfang, um die Krise zu überwinden. Zuerst nachdenken, dann das Konzept machen, dann Wiederaufbau ... Aber wie soll das gelingen? Wer soll das in die Hand nehmen? Etwa diejenigen, die die Katastrophe selbst angerichtet haben, also Politiker, Banker und Unternehmer?

Blicken wir zehn Jahre zurück. Damals, in der Hochphase der ersten Internet-Hysterie, hatte Deutschland Hoffnung auf über drei Prozent Wachstum. Der Dax stand bei knapp 7 000 Punkten, dem damaligen Rekord. Die Bürger der USA blickten voller Optimismus in die Zukunft, was auch daran lag, dass sie einen zehnjährigen Aufschwung hinter sich hatten. In der damaligen Jahresschluss-Ausgabe des Handelsblatts, in der vor allem Politiker und Wissenschaftler zu Wort kamen, wagte niemand eine pessimistische Prognose: Alle trieb die Gewissheit, die Wachstumsdynamik sei nie wieder zu stoppen. Doch schon wenig später stellte sich heraus, dass dies pure Illusion war: Die Internet-Blase platzte, der Börsenboom brach zusammen. Die Wirtschaft rauschte in die Rezession und brauchte Jahre, um sich zu erholen.

Das turbulente Jahrzehnt, das mit seinen grausamen Aufs und Abs nun hinter uns liegt, sollte uns die Flausen aus dem Kopf getrieben haben. In vielerlei Hinsicht:

>> An den Kapitalmärkten setzte sich hoffentlich die Erkenntnis durch, dass nur Unternehmen und Wertpapiere verkäuflich sind, die einen nachvollziehbaren Substanzwert haben. Internet-Buden, die nichts außer Klickraten und hohen Kosten produzieren, haben heute an den Märkten jedenfalls ebenso wenig Chancen wie verbriefte Problemkredite von arbeitslosen Texanern. Das Platzen diverser Börsengänge in den vergangenen Tagen ist ein ermunterndes Zeichen für die erhöhten Anforderungen der Investoren.

>> Die Regierungen sollten erfasst haben, dass die Finanzindustrie einerseits an die kurze Leine gelegt werden muss, um unverantwortliche Risiken zu vermeiden, die die ganze Weltwirtschaft lähmen. Andererseits muss aber die Geldversorgung der Wirtschaft sichergestellt werden.

>> In den Unternehmen sollte man erkannt haben, dass die eigene Kapitalkraft genauso wichtig ist wie Kreativität bei Produktentwicklung und Vertrieb, dass eine allzu große Abhängigkeit von den Banken also zu vermeiden ist. Schwaches Eigenkapital und hohe Verschuldung bekommen keinem Unternehmen, das nachhaltig erfolgreich sein will.

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Kommentare zu " Weltwirtschaft: Neue Wirtschaftswunder gibt es nimmer wieder"

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  • ich habe von dem Handelsblatt schon bessere Kommentare gelesen. Das ist allerdings lang her.

    Auch Selbstkritik ist beim Handelsblatt nicht angesagt.

    Das Fähnchen wird nach dem Wind ausgerichtet.

    Wenn ich ein Abo des Handelsblattes hätte, jetzt wäre es reif für die Kündigung

  • Horst war doch mal im Währungsfond,da gehts doch auch um schulden die nie bezahlt sondern nur deren zins mit abhängigkeit zu bewältigen ist.
    und die ganz oben, also wirklich ganz oben, die echte elite hat nicht im geringsten schaden an der krise genommen,eher im gegenteil.die verteilung von unten nach oben geht jetzt noch besser,aber so soll es eben sein.leben und leben lassen.die einen können nicht ohne die ánderen.und zu meinem vorschreiber max:niemand gibt gern etwas her,warum sollten sie den eigenen imperialistischen ast absägen bzw. dessen baum nicht pflegen-sie haben alle möglichkeiten dazu-ausser die masse machts -aber die wollen nicht.

  • Typisch dämlich, wenn man glaubt, der supertolle schuldenfinanzierte Aufschwung werde nie enden. So, nun könnt ihr zusehen, wie ihr die rechnung bezahlt. Warum auch stachelt die EU die Mitgliedsstaaten noch dazu an, nur ja möglicht viel in "Konjunkturprogramme" zu investieren. Warum macht man sowas unverantwortliches ? Jeder konnte sehen, wie Geld in billiardenhöhe herausgeschmissen wurde, fast überall waren es neue Schulden. Wie kann man nur so grotesk dumm sein und glauben, daß das gutgeht ? wir verschulden uns bis obenhin- zu welchem Zweck ? Um hier noch ein letztes Mal die Spendierhosen für die Klientel anzuziehen, denn das ist ja scheinbar für Schwarzgelb das allerwichtigste. Sehr weitsichtig und solide, der Kurs von Angela Merkal.

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