Wie deutsche Universitäten versuchen, Studenten Unternehmergeist beizubringen
Die Fallhöhe verringern

Den Praxistest machte Jürgen Schmude vor drei Jahren: Zusammen mit zwei Absolventen gründete der Regensburger Professor eine auf Tourismusentwicklung spezialisierte Beratungsfirma – und stellte fest: „Das, was in der Literatur über Unternehmensgründung steht, stimmt tatsächlich.“

HB DÜSSELDORF. Wissenschaftlich hatte sich der Wirtschaftsgeograph schon lange mit dem Thema beschäftigt. „Mit unserem Unternehmen haben wir alle für ein Start-up typischen Phasen selbst erlebt.“ Schmudes Ausflug ins wirkliche Leben dauert noch an – und bestärkte den Hochschullehrer in der Überzeugung: Universitäten sollten ihre Studenten nicht nur auf eine Karriere in der Wissenschaft oder einem Großunternehmen vorbereiten, sondern auch auf die berufliche Selbstständigkeit. Wie gut das die deutschen Hochschulen tun, hat er zum dritten Mal seit 2001 untersucht.

Sein Fazit ist positiv: „Es ist in den letzten Jahren in Sachen Entrepreneurship an den Universitäten wirklich einiges in Bewegung geraten.“ In diesem Jahr kommen 40 der 72 betrachteten Universitäten mindestens auf die Hälfte der maximal möglichen Punktzahl – vor vier Jahren waren es gerade einmal fünf.

Zudem gibt es mittlerweile eine Spitzengruppe von acht Hochschulen, die ihren Studenten ein sehr gutes Umfeld für Unternehmensgründungen bietet. Vorn liegt 2005 erstmals die Universität Lüneburg vor Potsdam und Wuppertal. In den vergangenen beiden Untersuchungen hatte Wuppertal den Spitzenplatz belegt. Die Universität konnte auch 2005 ihre Punktzahl verbessern, wurde aber überholt. Nur noch sechs Universitäten bieten schlechte bis sehr schlechte Angebote für potenzielle Unternehmer – vor allem kleine Hochschulen wie Erfurt, Flensburg und Koblenz.

Für die Studie hat Schmude die Existenzgründer-Angebote der Hochschulen unter die Lupe genommen – anhand von acht verschiedenen Kriterien und 47 Einzelindikatoren. Größtes Gewicht hat das Entrepreneurship-Lehrangebot und dessen Vermarktung. Hinzu kommen die Gründungsaktivitäten im Umfeld der Uni, das Angebot an Förderprogrammen und die Einbindung in Netzwerke. Grundlagen der Studie sind die Auswertung der Vorlesungsverzeichnisse, verdeckte Anfragen an die Studienberatung sowie Befragungen von Entrepreneurship-Experten.

Die systematische Behandlung des Themas Unternehmensgründung ist in Deutschland eine junge Disziplin. US-Universitäten beschäftigen sich seit Anfang der sechziger Jahre damit. Hier zu Lande aber war die Betriebswirtschaftslehre (BWL) traditionell eine Wissenschaft für Großunternehmen – kleine und mittlere Firmen blieben außen vor. „Der erste deutsche Gründungslehrstuhl wurde 1997 geschaffen“, sagt Lambert Koch, Professor für Unternehmensgründung in Wuppertal. „Heute gibt es an die 50.“

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