Wiegard macht Theater

Ein Wirtschaftsweiser kriegt die Krise

„Aus Scheiße wird Geld“, „Gier frisst Verstand“ – für einen ehemaligen Regierungsberater wählt der Wirtschaftsprofessor Wolfgang Wiegard ungewohnt deutliche Worte, um die Finanzkrise zu erklären – in einem Theaterstück.
7 Kommentare
Taskforce um Merkel, betretenes Starren statt Antworten – dieses Bild ist zwar ein Fake, bringt aber die Ratlosigkeit, die Wirtschaftswissenschaftler Wolfgang Wiegard (rechts) der deutschen Politik in der Euro-Krise teils zuschreibt, bestens zur Geltung.

Taskforce um Merkel, betretenes Starren statt Antworten – dieses Bild ist zwar ein Fake, bringt aber die Ratlosigkeit, die Wirtschaftswissenschaftler Wolfgang Wiegard (rechts) der deutschen Politik in der Euro-Krise teils zuschreibt, bestens zur Geltung.

RegensburgDie meisten kennen Wolfgang Wiegard als ehemaligen Wirtschaftsweisen. Daher verwundert es nicht, dass es stiller um den Regensburger Volkswirtschaftsprofessor wurde, als er Anfang 2011 aus dem höchsten Beratergremium der Bundesregierung turnusmäßig ausschied. Wenig bekannt sind bislang freilich Wiegards feuilletonistische Qualitäten: Im Regensburger Turmtheater spielt Wiegard  in seinem ersten Theaterstück „Wir kriegen die Krise“ den Beamten Wolfgang, Professor für Finanz- und Wirtschaftsfragen aller Art. „Ich profitiere von der Krise. Ich berate jeden“, sagt Wolfgang, „jeden, der gut zahlt. Guter Rat ist halt teuer.“

Wolfgang hält Vorträge über die Krise: Wie es dazu kam, was zu tun ist, damit so etwas nicht wieder passiert und warum man die Krise nicht vorhersehen konnte. Schließlich mache ja auch niemand den Medizinern zum Vorwurf, dass sie die Vogelgrippe nicht haben kommen sehen.  So jettet Wolfgang zu Beginn des Stücks zu seinen Ex-Studenten und heutigen Bankern Martin und Heinz und erklärt ihnen, wie sie die Schrottkredite aus Ihren Bilanzen heraus bekommen – und  damit auch noch Geld und vor allem hohe Boni verdienen können. „Aus Scheiße wird Geld“, jubeln die beiden  - dumm nur, dass Ihre Boni nicht in Cash, sondern in Lehman-Zertifikaten ausgezahlt wurden. Und so sind die beiden im zweiten Akt arbeitslos und Pleite – und wieder fragen sie Wolfgang um Rat.

Der erklärt ihnen rasch, wie clevere Kerle wie Ponzi, Madoff oder S&K-Immobilien mit Schneeballsystem Anleger um Milliarden prellten und so eine Zeitlang in Saus und Braus lebten – ehe sie im Knast landeten. Gier schlägt Verstand.

„Muss das denn zwangsläufig mit dem Kittchen enden“, fragen Martin und Heinz enttäuscht. „Nicht unbedingt“, erklärt Wolfgang, zumindest nicht, wenn Staaten ein Ponzi-Spiel spielen. Nehme ein Staat dauerhaft mehr neue Kredite auf, als er zu Bedienung alter Schulden und zur Zahlung der fälligen Zinsen brauche, sei ist das nichts anderes als ein Schneeballsystem. Dieses  „Primärdefizit“ könne der Staat dann verfrühstücken – bis es zum Staatsbankrott komme. Beim Schuldenschnitt Griechenlands hätten Anleger doppelt so viel Geld, wie bei der Madoff-Pleite – „nur ins Gefängnis kam niemand“, sagt Wolfgang.

Die Idee für das Stück kam Wiegard im gemeinsamen Urlaub mit seinem langjährigem Freund Ifo-Chef Hans-Werner Sinn auf Fuerteventura. „Die ersten beiden Akte habe ich dort geschrieben, die weiteren drei im Zug auf Reisen zu Vorträgen“, sagt Wiegard. Dabei kam es naturgemäß zu Anfängerfehlern. „Die erste Version hätte mindestens vier Stunden gedauert“, sagt der 67-Jährige, „zusätzlich zu der kleinen Abschlussklausur, die ich anfangs für die Zuschauer geplant hatte“.  Für die Proben musste Wiegard dann seinen eigenen Text lernen. Schließlich warteten seine drei Mitstreiter – keine Ökonomen, sondern Schauspieler des Theaters – auf ihre Stichwörter.  „Und wenn das Stichwort nicht kommt, antworten die eben nicht.“

Wirtschaftsmuffel ansprechen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

7 Kommentare zu "Wiegard macht Theater: Ein Wirtschaftsweiser kriegt die Krise"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Bürger wollen weniger Europa, weniger Lügen, weniger Entwertung ihrer Rücklagen und Vorsorgen, keine Haftung für Pleiteländer und die Gesetzgebung in ihren Ländern vor Ort in Bürgernähe! Weg mit dem betrügenden Euro-Murks und der EU-Diktatur, die keiner gewählt hat. Darum AfD!

  • Frau Merkel suggeriert den Leuten eine rosarote Zukunft mit der ständigen Phrase "Mehr Europa bei Abgabe von nationalenr Souveränität". Hier wird geschickt verpackt, dass die Leute angeblicht mehr Macht an die "EU in Brüssel" Zentralmacht abgeben wollen .. was garkeiner will, wenn man es auch so benennen würde. ==> Geschickte mediengemachte manipulative Begriffvermischung, "EU in Brüssel" soll als "Pseudo-Europa" verankert sein in den Köpfen. Europa ist ein Kontinent, der nicht grösser werden kann !!

    ... Mehr Europa ... Mehr Europa ... Mehr Europa ... Mehr Europa ... Mehr Europa ... => was für ein Schwachsinn !

    http://www.format.at/articles/1319/931/357889/merkel-afd-europa

  • Wie eine einsame Königin wandelt Frau Merkel durch die Lande und durch die Welt. Vollkommen losgelöst von irgendwelchen demokratischen Strukturen, vollkommen authark und eigenmächtig.

    Wo ist der Unterschied zu einem feudalen Königreich ? Welches Verständnis von Kooperation, Abstimmung, Diskurs, Konsens, Mitbestimmung hat Frau Merkel ? Keines, absolut "alternativlos" keines !! Schon aus diesem Grund, unabhängig von ihrer desaströsen politischen Haltung, kann man sie nicht wählen.

    CDU vertrocknet und absolut "still". So liebt es Frau Merkel, keine "Störrufe" mehr zu haben. In der 1. und 2. Reihe von CDU und Regierung sitzen nur leblose Zombies, Frau Merkel regiert ungestört aus der 3. Reihe. Das ist "Regieren" in Deutschland. Die "System-Presse" generiert täglichen Polit-Müll zur Beschäftigung des Volkes ... läuft vollkommen automatisch. Sex-Debatte Brüderle, Rösler unter Druck, Mehr Quote, Mehr Homo-Ehe jeden Tag sinnlose Artikel auf Stern, Spiegel, Focus, Welt, n-tv und und und. Abartige Koma-Politik für die schlafenden Deutschen.

  • DDR-Bürger damals wie Angela Merkel wollten unbedingt die DDR "retten". Mit ihnen wäre keine "Wende 1989" möglich gewesen. Dazu musste es die vielen freiheitsliebenden Menschen geben, die nicht "vom DDR-System profitieren" wollten, sondern ihm rigoros den Rücken kehrten. So eine war Frau Merkel nicht. Als FDJ-Funktionärin und mit dem DDR-System "arrangiert", so wie jetzt viele "arrangiert" sind mit der "EU in Brüssel" wollte sie den DDR-Menschen ihre Ideologie aufzwingen als Zukunfts-Vision - so wie sie es jetzt auch tut.

    Ihr Vater als Pfarrer, der dazu von der DDR berufen war die "Kirche im Sozialismus" zu etablieren hatte die offensichtliche Aufgabe, Pfarrer vom Nutzen des Sozialismus "zu überzeigen", es gab dann viele IM-Pfarrer, die dann ihr Wissen um Personen in ihrem Umfeld preisgaben an die Stasi, viele waren aber auch die Evangelische Trutzburg gegen das DDR-System als Widerstands-Nester gegen das DDR-Regime (Schwerter zu Flugscharen).

    Die DDR-Kirche war also zutiefst gespalten und Frau Merkels Elternhaus stand auf der staatlichen Seite der Kirche. Das hat Frau Merkel mit Sicherheit zutiefste geprägt, diesen Zwiespalt mit der man umgehen musste und ihre permanente "Systemtreue" die als absolute Obrigkeitshörigkeit interpretiert werden muss. Barroso, Rompuy und M.Schulz profitieren davon - den Deutschen ist es der Untergang ihrer Eigenständigkeit, Würde und Selbstbestimmtheit. Gleich im Oktober geht es wieder los mit "Transfer der Souveränität" - wollen wir wetten ???

  • Die "EU in Brüssel" mit ihren "Support-Politiker" europaweit sitzen wie Abriss-Bagger oben auf den Staaten, zerstören die Wirtschaft, pressen alles aus, zerstören Vertrauen und plündern die Steuerkassen aus.

    Aber ihre eigenen Diäten sind unangetastet und wachsen automatisch. Politiker sind "fein raus" aus allem und die "Reichen von morgen". Darum geht es in Wahrheit !

    AfD wählen (!) -> politischer Neuanfang ohne Lobby-Lohn, Lügen, Ausplünderung der Deutschen, ohne EU-Propaganda EU-Zentralstaat und absoluter Planwirtschaft. Politik muss wieder angekoppelt werden an die Bürger !

  • Versuch eine Psychogramms:

    - Sie soll "visionär" und mit Ausstrahlung dastehen, darum hat Frau Merkel ein dauerbelustigtes Grinsen im Gesicht und die "Barroso-Raute" vorm Bauchnabel -> geformt mit ihren Händen.

    Es sieht für mich peinlich, ferngesteuert und etwas "abgerückt" aus, wie Frau Merkel sich immer "in Pose" bringt. David Cameron (UK) war letztens auch merklich befremdet und belustigt davon.

    Es soll Ausdruck der Unterwürfigkeit zur "Rompuy/Barroso-EU-Ideologie" als künftiger Zentral-Staat sein, der Frau Merkel dient und vollkommen verfallen ist ! So ein Symbol faltet man nicht aus Verlegenheit, weil man nicht mit den Armen weiss wohin damit. Es ist das Herrschafts-Symbol der Welt-Elite, die nach dem Prinzip handeln "Der Zweck heiligt die Mittel", dazu gehört auch ... mal die Unwahrheit zu sagen .... (siehe Artikel in allen Zeitungen, n-tv.de, welt.de, "... die Merkel-Raute (eigentlich ist es die Barroso-Raute) hat angeblich keine Bedeutung") ...

    Schauen Sie mal, wie Barroso die Hände hält (Raute als Macht-Symbol der "EU in Brüssel" über ganz Europa, getarnt als "föderales Projekt")

    http://www.timeslive.co.za/Feeds/Reuters_Images/2012/12/10/mdf19021-09-12-2012-16-12-40-529.jpg/ALTERNATES/crop_630x400/MDF19021-09-12-2012-16-12-40-529.jpg

    http://www4.pictures.zimbio.com/gi/Barroso+Enda+Kenny+Nobel+Peace+Prize+Concert+y-ZwGEVaaTqx.jpg

    http://binaryapi.ap.org/9737c3941d2c46e9a95dca1443c6c5c5/460x.jpg

    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/06/44223/

  • Und wegen dieser zutreffenden, markanten Sprüche, gibt es zur Lösung der Schudenkrise jetzt eine ganz simple Regel: Alle Spekulanten hatten in den letzten drei Jahren die Möglichkeiten Risiken einzudämmen und sich neu zu positionieren. Das schließt weitere staatliche Hilfen aus. Man soll Krise jetzt Krise sein lassen und alle Risiken dort abladen,wo sie sich aufgetürmt haben. Der Leineweber verlangt ein Dekret: "Ab sofort gibt es in Europa keine Staatshilfen für Banken mehr. Risiken von Spekulanten werden nicht mehr sozialisiert. Punktum. Und: Die Banken haften für die Sparer. Spareinlagen sind vorrangige Forderungen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%