Wirtschaftsforscher Siebert
Horst Siebert – der Mann mit der Fliege ist tot

Der Wirtschaftsforscher und langjährige Leiter des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, Horst Siebert, ist tot. Er starb nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 71 Jahren in einem Schweizer Hospital. Ein Nachruf.

FRANKFURT. Das Kernanliegen von Horst Siebert war es, Irrwege der Wirtschaftspolitik zu vermeiden. Dafür zog er auch ungewöhnliche Vergleiche heran – beispielsweise den über eine Schlangenplage in Indien, bei der ein Gouverneur eine Prämie auf abgelieferte Kobra-Köpfe aussetzte, um der Plage Herr zu werden. Die Folge: Die Inder züchteten Kobras, damit sie die Prämie kassieren konnten.

Mit dieser wahren Begebenheit illustrierte Siebert in seinem Buch „Der Kobra-Effekt“ Konsequenzen falscher Anreize, die er als Grunddilemma der deutschen Wirtschaftspolitik in den vergangenen Jahrzehnten ansah.

Heute ist der prominente Fürsprecher für mehr Wettbewerb und ökonomische Freiheit im Alter von 71 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in einem Schweizer Hospital gestorben. Das gab das Kieler Institut für Weltwirtschaft bekannt, dessen Präsident Horst Siebert von 1989 bis 2003 war. In diesen Jahren der großen wirtschaftlichen Umbrüche in Deutschland und Europa habe er die Forschung und wirtschaftspolitische Beratung des Instituts geprägt, würdigte der Vizepräsident des Instituts, Rolf Langhammer, den Verstorbenen.

Bekannt wurde der Ökonom, dessen äußeres Markenzeichen die perfekt sitzende Fliege, der gestutzte Oberlippenbart und das wie mit dem Lineal gescheitelte Haar waren, auch durch seine langjährige Mitgliedschaft im Sachverständigenrat und im wissenschaftlichen Beirat des Wirtschaftsministeriums. „Er verstand es, hochwertige Forschung und anwendungsorientierte Politikberatung zu verbinden“, sagt Claudia Buch, die heute Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats ist und bei Siebert promovierte und habilitierte.

Siebert, der in jungen Jahren Vorlesungen bei einem der geistigen Väter der sozialen Marktwirtschaft, Alfred Müller-Armack, in Köln hörte, als regional forschender Wissenschaftler anfing, später seinen Schwerpunkt in der Außenwirtschaft fand und mit seinem Buch zur selben einen Klassiker für VWL-Studenten lieferte, war aber weit mehr als bloßer Ordnungstheoretiker. Siebert zählte in den 70er-Jahren zu den frühen Umweltaktivisten. Als er 1969 an der Universität in Mannheim den Lehrstuhl für Außenwirtschaft antrat, war die Luft dort so sichtbar verschmutzt, „dass man sich für Umweltfragen interessieren musste“, erzählte Siebert gern. Schon 1972, vor der Gründung der Grünen, schrieb er sein erstes Umweltbuch: „Das produzierte Chaos“.

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