Wirtschaftskrise
Konjunkturpolitik: Die Medizin wirkt doch

Staatliche Konjunkturprogramme funktionieren nicht - das war in den vergangenen zwei Jahrzehnten das Mantra der Ökonomie. Neuere Studien ziehen dies zunehmend in Zweifel. Was folgt daraus für die aktuelle Krise?

Neun Monate - danach ist die Welt oft eine ganz andere. Manchmal auch in der Wissenschaft. Das erlebt derzeit der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums.

Im März 2008 hatten die 27 Professoren des Gremiums eine Philippika gegen Konjunkturprogramme veröffentlicht. Diese seien teuer, unwirksam und eigentlich immer überflüssig. Daher solle man dem Staat das Schuldenmachen massiv erschweren. Ob es überhaupt je eine "gesamtwirtschaftliche Gleichgewichtsstörung" gebe, in der der Staat gefragt ist, sei zweifelhaft. Wenn, dann sei so eine Situation "so selten, dass man sich nicht aus Furcht vor ihr gleichsam ständig in Alarmbereitschaft setzen darf, um verschuldungsbedingt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu manipulieren".

Heute, neun Monate später, ist genau solch ein akuter wirtschaftlicher Notfall eingetreten: Die Welt erlebt eine Wirtschaftskrise, in der die Geldpolitik ihre Wirkung verliert und nur noch Fiskalpolitik helfen kann. Davon sind Top-Ökonomen wie Paul Krugman (Princeton) und Greg Mankiw (Harvard) überzeugt. Die Brüsseler Denkfabrik Bruegel spricht von einer "außergewöhnlichen keynesianischen Situation, in der ein außergewöhnlicher keynesianischer Budget-Stimulus" gefragt sei. Selbst der Sachverständigenrat spricht sich erstmals seit Jahrzehnten für Konjunkturpakete aus.

Aber wirkt aktive Konjunkturpolitik überhaupt? Diese Frage beschäftigt Makro-Ökonomen seit Jahrzehnten. Ihre Antworten haben sich im Laufe der Zeit mehrfach geändert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte das Fach große Hoffnungen auf die Feinsteuerung der Konjunktur gesetzt. Nach schlechten Erfahrungen in den siebziger Jahren machte sich Ernüchterung breit. In den letzten zwei Jahrzehnten herrschte dann Konsens, die Ideen von Keynes seien überholt. Neuere Studien, die nach der Jahrtausendwende erschienen sind, ziehen dies nun wieder in Zweifel.

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