Wirtschaftswachstum und Zufriedenheit
Glücksökonomen – von der Fortune verlassen?

Wirtschaftswachstum macht uns nicht glücklich - zu diesem Fazit sind Ökonomen immer wieder gekommen. Jetzt geraten diese Ergebnisse in die Kritik. Steht die Glücksökonomie vor einem Scherbenhaufen?

Nur die wenigsten Ökonomen entwickeln so bahnbrechende Erkenntnisse, dass diese auf Dauer ihren Namen tragen. Richard Easterlin, heute 82-jähriger Professor an der University of Southern California, hat das geschafft - er ist Vater des Easterlin-Paradoxes.

Beim Vergleich von Umfragen zur Lebenszufriedenheit und Statistiken zur Einkommensentwicklung war Easterlin 1974 scheinbar Widersprüchliches aufgefallen: Innerhalb eines Landes sind Reiche zwar deutlich glücklicher als Arme, stellte er fest. Menschen in reichen Ländern aber sind im Durchschnitt keineswegs mit ihrem Leben zufriedener als Einwohner ärmerer Staaten. Und obwohl der Lebensstandard in Ländern wie den USA und Japan in wenigen Jahrzehnten drastisch gestiegen ist, erhöhte sich die Zufriedenheit der Menschen nicht.

Daraus schloss Easterlin: Geld macht zwar glücklich, aber nicht in erster Linie dank der besseren Konsummöglichkeiten, sondern weil dadurch der relative Status in der Gesellschaft steigt. Die absolute Höhe des Einkommens, die traditionelle Ökonomen betonen, ist laut Easterlin weniger wichtig.

Der Ökonom stieß eine Debatte an, aus der sich ein neuer Forschungszweig entwickelte: die Glücksökonomie. Das Easterlin-Paradox ist eines ihrer wichtigsten Fundamente.

Zahlreiche Studien schienen es für andere Länder und Zeiträume sowie mit besseren Daten zu bestätigen. Im Jahr 2003 legten die Wissenschaftler Michael Hagerty und Ruut Veenhoven zwar eine Studie vor, in der sie die Existenz des Easterlin-Paradoxes infrage stellten. Diesen Autoren attestierte Easterlin allerdings eine schwache Datengrundlage und keine statistisch signifikanten Ergebnisse.

Geradezu spektakulär kommt vor diesem Hintergrund eine kürzlich in den USA veröffentlichte Studie daher. Die Forscher Betsey Stevenson und Justin Wolfers, beide von der Wharton Business School der University of Pennsylvania, haben alle verfügbaren Statistiken zur Lebenszufriedenheit neu ausgewertet - sowohl alte Daten aus den siebziger Jahren als auch ganz neue Statistiken. Sie kommen zu einem für die Glücksökonomen brisanten Ergebnis: Wenn man die Statistiken richtig analysiere, löse sich das Easterlin-Paradox in Luft auf.

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