Wirtschaftswissenschaft
Ökonomengipfel in Lindau

In dieser Woche treffen sich am Bodensee Wirtschaftsnobelpreisträger mit Studenten aus aller Welt.

Horst Köhler ließ sich nicht lange bitten: Die Einladung, am 17. August in das 24 000-Seelen-Städtchen Lindau am Bodensee zu reisen, nahm der Bundespräsident ohne große Umschweife an. Auch eine halbe Hundertschaft internationaler Journalisten wird in der zweiten Wochenhälfte in der Bodensee-Idylle eintreffen. Und schon ab Dienstag reisen 300 handverlesene Nachwuchswissenschaftler aus allen Kontinenten nach Lindau an.

Vom deutschen Staatsoberhaupt bis zum Studenten aus Malaysia kommen alle aus einem einzigen Grund an den Bodensee: um dort zwölf Herren im fortgeschrittenen Alter zu treffen, von denen viele aus den Vereinigten Staaten angereist sind. Zwölf Wirtschaftswissenschaftler, die die Forschung in ihrer Disziplin so vorangetrieben haben, dass sie mit einer der renommiertesten Auszeichnungen des Fachs geehrt wurden – dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften. So viel ökonomischen Sachverstand wie in Lindau trifft man selten an einem Ort

.

Zum zweiten Mal nach 2004 findet der Ökonomen-Gipfel in Lindau statt. Wie vor zwei Jahren soll die Tagung vom Dialog der heutigen und morgigen Elite leben. Die Studenten können die Laureaten nicht nur aus der Ferne anhimmeln, sondern sie buchstäblich anfassen.

In kleinen Seminaren werden die Preisträger abgeschirmt von der Öffentlichkeit mit maximal 30 Nachwuchsforschern arbeiten, und bei den gemeinsamen Abendessen gibt es nicht etwa getrennte Tische für Professoren und Studenten, sondern die Preisträger sind systematisch auf die Tische mit den Nachwuchsforschern verteilt. 2004 war die Atmosphäre so ungezwungen, dass das Mathematik-Genie John Nash, dem Hollywood mit dem Film „A Beautiful Mind“ ein Denkmal setzte, den Studenten beim Abendessen erzählte, dass er gerade zum ersten Mal in seinem Leben Chop Suey esse.

„Das Wichtigste ist, dass wir mit den Studenten diskutieren“, beschrieb Robert Solow, Nobelpreisträger von 1986, das Credo der Veranstaltung. „Nicht in erster Linie, um diese oder jene Idee zu vertiefen, sondern um ihren Blick zu weiten.“

Dass es sich bei der Lindauer Veranstaltung um etwas ganz Besonderes handelt, hat sich unter den Nachwuchsökonomen dieser Welt schnell herumgesprochen: Mehr als 4 000 Bewerbungen gingen bei dem Organisationskomitee ein – und das, obwohl jeder Kandidat die Empfehlung ausgewählter Institutionen wie Universitäten und Notenbanken vorweisen musste. Aus dieser Bewerberflut siebte ein dreiköpfiges wissenschaftliches Gremium die 300 Besten heraus, darunter 17 „Handelsblatt-Fellows“, die sich mit einer Empfehlung dieser Zeitung für die Teilnahme bewerben konnten. Das Handelsblatt begleitet das Nobelpreisträgertreffen wie 2004 als Medienpartner.

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