Wirtschaftswissenschaften
Neue Ökonomen braucht das Land

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Vor 15 Jahren galten die deutschen Institute noch als verkrustet

Vor zehn, 15 Jahren hatten vor allem die Forschungsinstitute größte Mühe, neues Führungspersonal zu bekommen. Die Häuser galten als verkrustete Institutionen, die wissenschaftlich den Anschluss verloren hatten und sich mit sich selbst beschäftigten. Die Stellen waren so unattraktiv, dass renommierte Ökonomen die Chefposten reihenweise ablehnten. Besonders schlimm war die Krise beim Kieler Institut für Weltwirtschaft – mehr als zwei Jahre suchte das Traditionshaus ab 2002 einen Nachfolger für Horst Siebert, der in den Ruhestand gegangen war.

Seit den späten 90er-Jahren nehmen die Geldgeber aus Bund und Ländern die Institute genauer unter die Lupe: Regelmäßig wird die Arbeit von unabhängigen, externen Gutachtern evaluiert – das setzte eine immense Modernisierung unter den Instituten in Gang. Ihren Anfang nahm die Entwicklung 1999 in München, wo Sinn das Ifo-Institut komplett umkrempelte. Aus einem Sanierungsfall, der kurz vor der Schließung stand, wurde ein international gut vernetztes, wissenschaftlich führendes Forschungszentrum. Das Essener RWI und das Kieler IfW gelten auch als erfolgreiche Turn-around-Fälle.

Vor allem kleinere Institute haben es im Wettbewerb um hochkarätige Ökonomen und knappe Forschungsmittel dagegen schwer. So verlor das Hamburger HWWA nach einer schlechten Evaluierung 2004 die öffentliche Förderung und musste zumachen. Das  Nachfolge-Institut HWWI ist privat finanziert und deutlich kleiner.

Dem IWH in Halle droht ein ähnliches Schicksal. Eine Vorentscheidung darüber, ob das einzige ostdeutsche Wirtschaftsforschungsinstitut noch eine Chance bekommt, fällen Bund und Länder im Februar, endgültig entscheiden sie im April. Bei der letzten Evaluierung ist das Institut schlecht weggekommen, auf Druck der Geldgeber legte der bisherige Leiter, Ulrich Blum, Ende 2011 sein Amt nieder. Sollte das IWH grünes Licht bekommen, braucht daher auch dieses Haus einen neuen Chef. „Das IWH muss einen Generationswechsel vollziehen“, sagte die Wissenschaftsministerin von Sachsen-Anhalt, Birgitta Wolff, dem Handelsblatt. „Wir suchen einen forschungsstarken, international erfahrenen Ökonomen, um das Institut wieder relevanter zu machen.“

Beim DIW – nach langen internen Querelen schied Klaus Zimmermann 2011 als Präsident aus – hat die Chefsuche unter Federführung des Kuratoriumsvorsitzenden Bert Rürup bereits begonnen, die Bewerbungsfrist endet morgen. Wie viele Bewerbungen schon eingegangen sind, verrät Rürup nicht. Klar sei so viel: „Die neue Spitze muss für moderne, forschungsbasierte Politikberatung stehen“, sagte er dem Handelsblatt. Das DIW brauche eine Leitung mit makroökonomischer Ausrichtung, die nicht nur selbst international anerkannte Forschung erbringe, sondern auch Erfahrungen im Forschungsmanagement habe.

Mit der Personalie Fuest hat die Konkurrenz in Mannheim vorgelegt. Der Druck in Berlin ist groß – erst recht, weil im April die nächste Evaluierung durch externe Gutachter ansteht.

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