Wirtschaftswissenschaften Wie Steuerzahler die Banken füttern

Private Banken erhalten laut einer neuen Studie im großen Ausmaß Steuergeld. Auf diesem Weg erhalten die Geldhäuser Milliardensummen. Doch nur einen Bruchteil der Subventionen treibt der Staat wieder ein.
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Banken-Hochhäuser in Frankfurt am Main. Quelle: dpa

Banken-Hochhäuser in Frankfurt am Main.

(Foto: dpa)

Es war schon lange nicht mehr eine Frage des „Ob“, sondern nur noch eine des „Wie“: Seit Wochen war klar, dass Spaniens Banken ohne Milliardenhilfen des Staates nicht überleben würden. Offen war nur, woher das Geld kommen würde. Die Regierung des Mittelmeerlandes allein konnte die Sache nicht mehr stemmen. Jetzt gibt der Euro-Rettungsschirm bis zu 100 Milliarden Euro, um die Geldinstitute mit neuem Kapital auszustatten.

Die Banken einfach sterben zu lassen, war keine Option - denn zu wichtig sind sie für die Stabilität des Finanzsystems und der Realwirtschaft. In der Finanzbranche sind die Gesetze der Marktwirtschaft damit weitgehend außer Kraft gesetzt: Normale Unternehmen gehen pleite, wenn sie schlecht wirtschaften; Banken werden vom Staat gerettet.

Dieser unausgesprochene staatliche Rettungsschirm ist für die Institute Milliarden wert - das zeigt eine jetzt veröffentlichte Studie der ehemaligen Wirtschaftsweisen Beatrice Weder di Mauro und Kenichi Ueda, Ökonom im Forscherstab des Internationalen Währungsfonds (IWF). „Geldinstitute mit staatlicher Rückendeckung sind sicherer“, schreiben Weder di Mauro und Ueda. „Investoren verlangen von ihnen daher niedrigere Risikoaufschläge.“

Die Studie erhält besonderes Gewicht dadurch, dass sie als Arbeitspapier des IWF erschienen ist. Solche Studien spiegeln zwar nicht zwangläufig die offizielle Position des IWF wider, unterliegen aber einer strengen wissenschaftlichen Qualitätskontrolle.

Welche Gewinne Europas Großbanken kassieren
Commerzbank veroeffentlicht Jahresergebnis
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Bei der Commerzbank werden nach wie vor kleine Brötchen gebacken. Nach einem Plus von 316 Millionen im vierten Quartal 2011 machte die teilverstaatlichte Bank zum Jahresauftakt 369 Millionen Euro Gewinn.

BNP Paribas fourth-quarter profits fall 51 per cent over Greek de
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Die französische Großbank BNP Paribas hat dank eines Beteiligungsverkaufs ihren Gewinn zu Jahresanfang trotz der Schuldenkrise in Europa gesteigert. Der Überschuss legte im ersten Quartal binnen Jahresfrist um 9,6 Prozent auf 2,87 Milliarden Euro zu.

Societe Generale 2011 annual results
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Die Société Générale weißt für das erste Quartal einen überraschend großen Rückgang des Nettoergebnisses um 20 Prozent auf 732 Millionen Euro aus. Analysten hatten im Schnitt mit 748 Millionen Euro gerechnet. Die Einnahmen sanken dagegen weniger stark wie von den Experten befürchtet um 4,7 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro.

Francisco Gonzalez, chairman of Spain's second largest bank BBVA, addresses a general shareholders' meeting in Bilbao
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Die Banco Bilbao Viscaya Argentaria (BBVA), Spaniens zweitgrößte Bank, übertraf im ersten Quartal die Erwartungen. Die Großbank (im Bild Bankchef Francisco Gonzalez) erzielte ein Nettoergebnis von mehr als einer Milliarde Euro. Das sind zwar 12,6 Prozent weniger als im Vorjahr, doch Analysten hatten zuvor eine sehr viel pessimistischere Prognose gestellt. Verantwortlich für das gute Ergebnis waren in erster Linie exzellente Ergebnisse in Lateinamerika, die mehr als die Hälfte zum Gewinn beitrugen.

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Grund zur Freude hat auch Emilio Botin, der Chef der Banco Santander. Das Institut, das zum Jahresschluss schwächelte, hat im ersten Quartal 2012 einen Nettogewinn von 1,6 Milliarden Euro erzielt. Das waren aber 24 Prozent weniger als zum Jahresauftakt 2011.

A Switzerland national flag flies in front of the logo of Swiss bank Credit Suisse at a branch office in Zurich
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Entspannt hat sich die Situation auch bei den Schweizer Instituten. Nach einem Verlust von mehr als einer halben Milliarde Euro im Schlussquartal 2011 hat Credit Suisse im ersten Quartal 2012 wieder schwarze Zahlen geschrieben und einen kleinen Gewinn von umgerechnet rund 39 Millionen Euro erzielt.

People walk behind the logo of Swiss bank UBS in Zurich
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Der Gewinn der Schweizer Großbank UBS ist im ersten Quartal wegen Verlusten auf eigene Verbindlichkeiten rund eine Milliarde Franken tiefer ausgefallen als ein Jahr zuvor. Die größte Bank der Schweiz schaffte einen Reingewinn von 827 Millionen Franken (688 Millionen Euro) nach 1,8 Milliarden Franken ein Jahr zuvor. Analysten hatten mit einem Reingewinn von 1,1 Milliarden Franken gerechnet.

Pikant ist zudem, dass Weder di Mauro seit kurzem dem Verwaltungsrat der Schweizer Großbank UBS angehört. Die Arbeiten an der Studie seien schon länger abgeschlossen gewesen; beim IWF habe sich die Veröffentlichung in die Länge gezogen, sagte sie dem Handelsblatt. Mit Blick auf ihre Funktion bei der UBS lehnte Weder di Mauro jeden Kommentar zu der Studie ab.

Um den Wert der unausgesprochenen Staatsgarantien zu ermitteln, griffen Weder di Mauro und Ueda auf Einschätzungen der Ratingagentur Fitch zurück. Die bewertet nicht nur die individuelle Finanzkraft der jeweiligen Bank, sondern auch das Ausmaß der staatlichen Rückendeckung. Je größer ein Geldinstitut, desto wahrscheinlicher ist es laut Fitch, dass es im Fall der Fälle von der Regierung aufgefangen wird.

Mit komplexen statistischen Verfahren berechneten die Forscher, wie die staatliche Rückendeckung und auch die Finanzkraft der Regierung des jeweiligen Heimatlandes das Gesamtrating einer Bank beeinflussen. Die Ergebnisse sind beachtlich: Deutsche Banken würden vier bis fünf Ratingstufen schlechter bewertet, wenn es keine unausgesprochenen staatlichen Garantien gäbe. Deutsche Bank und Commerzbank, derzeit von Fitch mit „A+“ bewertet, würden dann auf „BBB“ oder gar „BBB-“ abrutschen.

Nur ein Bruchteil der Subventionen kommt zurück
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7 Kommentare zu "Wirtschaftswissenschaften: Wie Steuerzahler die Banken füttern"

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  • Noch nie hat es eine Bank gegeben,

    die ihre Aktionäre/ Anteilseigner angeschrieben hat

    Geld an die bank zu überweisen.

  • es gibt hier nur eine Möglichkeit...wenn der Steuerzahler sie Banken finanziert, dann müßen die Banken dem Steuerzahler auch gehören, also "Verataatlichungen der Banken!"

  • Die Behauptung, daß Banken so bystemrelevant sind, daß sie nicht pleite gehen dürfen, halte ich für eine faule Ausrede!
    Das riecht eher danach, daß die politische Kaste und die Banker recht intim miteinander sind, um nicht von bilateraler Korruption zu reden.
    Jeder, der nur Ausschuß produziert, sollte das Recht haben, pleite zu gehen!!!
    Ich werde den Verdacht nicht los, daß die Partnerschaft zwischen Politik und Banken in erster Linie mit der Kontrolle der Bevölkerung zu tun hat. Banken sind weniger für die Realwirtschaft als die finanzielle Überwachung der Bevölkerung da! Da die sowieso im Hinterkopf haben, das Bargeld am Liebsten ganz abzuschaffen, könnte man dann die Menschen ganz einfach "steuern", indem man nach Lust und Laune das Plastik"geld" (durch einen vorgetäuschten Fehler)sperrt; davon, daß man das Konsumverhalten überwacht, ganz abgesehen!!!
    Und weil es so schön bequem (=faulheitsunterstützend) ist, wird es auch vom dämlichen Michel freudig angenommen!
    Keiner geht - um der persönlichen wirtschaftlichen Freiheit wegen - für einen höheren Barfaktor und mehr Barzahlungskassen auf die Straße!!!
    Die Bevölkerung könnte sich schon wehren, indem sie alle Plastikkarten wegwirft und die Banker nach Hartz IV schickt!
    Die einzigen, die auch ein bargeldloses System unterlaufen werden, sind die kriminellen Banden, gegen die es angeblich gerichtet sein soll - das ist nur die faule Ausrede für die (naive) Bevölkerung.

  • Die Großbanken Deutschlands bekommen bei mir keinen Cent mehr,
    ich lege mein Geld lieber bei Banken an, die nicht Zocken, sondern in die deutsche Wirtschaft investieren!

  • Wie zeigt sich eigentlich Korruption?

  • warum verleiht der staat das geld nicht direkt an die realwirtschaft? Das ist keine rein rhetorische frage.
    Die Banken haben ihre inkompetenz bei der risikobewertung und somit im kompletten geschäft bewiesen.
    Also kann mir mal jemand erklären warum die pleite einer systemrelevanten bank schlimmer sein soll als beispielsweise ein staatsbankrott gepaart mit weiteren pleiten oder auch 50 jahre sparpaket?
    Das Geld was weg ist, ist weg, da kann man mit noch so vielen krediten nix dran ändern. Dass verbindlichkeiten bestehen, heisst nicht dass das geld irgendwoher wieder kommt.

  • Es gibt ja auch ausgesprochene Staatsgarantien. Die Fortfuehrung der Geschaefte der Landesbanken in Deutschland durch die Laender wurde ja durch EU-Beschluss (leider) abgeschafft.

    Aber nehmen wir mal die Kantonalbanken in der Schweiz wo der Kanton haftet. Dabei gibt es zwei Probleme. Der Kanton koennte nie realistisch die Haftungssumme decken. Dann gibt es nach meiner Erkenntnis auch keine zeitliche Verpflichtung bis wann der Kanton im Fall des Falles dieser Haftung nachkommen muss. Das Leben der Anleger ist leider im Gegensatz zum Leben des Kantons endlich ;-)

    Ich moechte jetzt gar nicht erst ueber den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes der deutschen Banken sprechen, der durch zwei Ereignisse extrem strapaziert wurde - die Schmidtbank (mit Consors) war ja der Anfang, Lehman folgte. Die moegliche Haftungsdecke derzeit?

    Man muss sich wirklich fragen, was dann die "unausgesprochenen" Garantien letztlich im Ernstfall bringen. Vielleicht nur falsche Hoffnung?

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