Wissenschaftler sehen Parallelen zum Aktienmarkt
Lebe wild und gefährlich

Die individuelle Risikoneigung hat erhebliche ökonomische Folgen, zeigen Studien. Die Wissenschaftler stellen darin fest: Menschen, die das Risiko lieben, verdienen mehr. Und: Frauen sind weniger mutig als Männer.

DÜSSELDORF. Eigentlich ist Thomas Dohmen kein besonders ängstlicher Mensch. Dennoch beschäftigt er sich die meiste Zeit mit Risiken. Warum sind einige Menschen risikofreudiger als andere? Wie lässt sich die Risikobereitschaft messen? Was hat das für Auswirkungen auf das ökonomische Handeln der Menschen? Diese Fragen treiben den Ökonomen des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) um.

Seit einigen Jahren ist die „Erforschung der Risikopräferenzen“, wie es in der Fachsprache heißt, ein stark wachsendes Fachgebiet. Sie dient in erster Linie dazu, ökonomische Modelle realitätsnäher zu machen und ihre Aussagen damit belastbarer.

Das Verständnis der individuellen Risikoneigung ist fundamental dafür, um ökonomisches Verhalten vorhersagen will“, heißt es in einer Studie, die Dohmen mit mehreren Co-Autoren geschrieben hat. Wichtig sind die Erkenntnisse unter anderem, um das Verhalten von Anlegern an den Finanzmärkten besser zu verstehen wie auch die Berufswahl der Menschen und ihre Konsumentscheidungen.

Denn ob man lieber auf Nummer sicher geht oder wild und gefährlich lebt, hat erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen. So entscheiden sich risikofreudige Menschen häufiger für Berufe mit relativ großer Einkommensvarianz oder leistungsabhängiger Bezahlung – und werden für das höhere Risiko, das sie eingehen, auch besser bezahlt. Wer Risiken scheut, ist mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit im öffentlichen Dienst beschäftigt – dort sind die Arbeitsplätze zwar sicherer als in der Privatwirtschaft, meist gibt es aber auch weniger zu verdienen. Risikoscheue Menschen bleiben weit häufiger ihr Leben lang Angestellte – auch in der Privatwirtschaft, zeigen Studien außerdem. Mutigere Zeitgenossen geben dagegen weit häufiger einen festen Job auf und werden ihr eigener Chef.

Wissenschaftler sehen Parallelen zum Aktienmarkt: „Wer eine riskante Aktie kauft, erwartet ja auch einen höheren Gewinn. Warum soll das im Arbeitsmarkt anders sein?“ sagt der Amsterdamer Ökonomie-Professor Joop Hartog. Für Arbeitgeber sei es daher ratsam, für verschiedene Risikotypen unterschiedliche Entlohnungsmodelle anzubieten.

Die unterschiedlichen Vorlieben für Risiken erklären womöglich auch zum Teil, warum Frauen nach wie vor oft weniger verdienen. Denn zahlreiche Studien zeigen, dass Männer in aller Regel wagemutiger sind als Frauen. Dies führt dazu, dass sie riskantere, aber besser bezahlteJobs wählen. Frauen dagegen sind offenbar eher bereit, für ein sicheres Einkommen auf Gehalt zu verzichten.

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