Wissenschaftsverlage
Angriff auf Elsevier und Co.

Mit vier neuen Fachzeitschriften bringt die American Economic Association den Markt für VWL-Journale in Bewegung. Die neuen "American Economic Journals" machen den kommerziellen Wissenschaftsverlangen massiv Konkurrenz. Lesen Sie, was das für Verlage und Forscher bedeutet.

BERLIN.Eigentlich klingt das Vorhaben nahezu unmöglich: Auf einen Schlag soll fast eine Hand voll ökonomische Fachzeitschriften auf den Markt kommen und sich innerhalb kurzer Zeit unter den führenden Journalen etablieren. Dabei ist der Markt schon lange verteilt, die etablierten Zeitschriften haben ihre Reputation über Jahrzehnte aufgebaut, die Zutrittsschranken für neue Magazine sind entsprechend hoch.

Dennoch wird dieser Plan Anfang 2009 in die Realität umgesetzt. Dann erscheinen erstmals vier neue Ökonomie-Zeitschriften - spezialisiert auf die Themen Makro-, Mikroökonomie, Wirtschaftspolitik und angewandte Ökonomie. Sie alle firmieren unter der Dachmarke "American Economic Journal" (AEJ), erscheinen viermal im Jahr und haben den Anspruch, in ihren Disziplinen schnell zu den besten Publikationen aufzusteigen.

Und dieser Plan, der so ambitioniert daherkommt, könnte sogar aufgehen. Denn hinter den neuen Zeitschriften steht die American Economic Association (AEA). Der 1885 gegründete Verein hat weltweit über 21 000 Mitglieder und ist die unangefochtene Nummer eins unter den Ökonomen-Vereinigungen. Mit dem "American Economic Review" (AER) gibt sie eines der wichtigsten VWL-Journale heraus.

Das seit 1911 erscheinende Flaggschiff deckt die VWL in der gesamten Breite ab. Die vier neuen Schwester-Blätter sollen sich dagegen spezielleren Themen widmen, die nicht für alle Ökonomen von Interesse sind. "Wir wollen Artikel veröffentlichen, die spezialisierter sind als die AER-Aufsätze, aber ebenso gut und interessant für unser Forschungsfeld", sagt Princeton-Ökonomin Esther Duflo, Herausgeberin des neuen Journals für angewandte Ökonomie. Gefragt seien "Artikel von hoher Qualität, aber mit einem etwas engeren thematischen Fokus als im AER", sagt auch Alan Auerbach aus Berkeley, Herausgeber des Journals für Wirtschaftspolitik.

Wissenschafts-Journale arbeiten anders als Publikumszeitschriften. Sie haben keine Redaktion, sondern werden von nebenberuflichen Herausgeber-Gremien geleitet. Wissenschaftliche Arbeiten, die von Forschern zur Veröffentlichung eingereicht werden, werden von den Herausgebern an externe Gutachter weitergeleitet, die die Qualität der Studien beurteilen. Sowohl die Herausgeber als auch die Gutachter sind in der Regel selbst Hochschulprofessoren, sie arbeiten nebenberuflich und mehr oder weniger ehrenamtlich.

Offiziell begründet die Ökonomenvereinigung die Gründung der neuen Zeitschriften damit, "den Zugang zu ökonomischer Forschung weiter verbessern" zu wollen. Dies ist eine vornehme Umschreibung für einen Frontalangriff auf kommerzielle Wissenschaftsverlage wie Elsevier und Blackwell.

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