Youtube-Videos
Lachen über Ökonomen und Unternehmen

Animierte Grafiken, Comics und Rap-Einlagen veranschaulichen heute in Erklärfilmchen die kompliziertesten Sachverhalte aus Finanzen und Wirtschaft. Gegen die beliebten Youtube-Videos kommen ernsthaft aufgemachte Bücher kaum an.
  • 0

FRANKFURT. Der technische Fortschritt und das Internet machen es möglich. Die scheinbar kompliziertesten Themen, die bisher in den Finanzteilen der Zeitungen ihr Reservat hatten, in das sich nur Spezialisten wagten, kann man sich heute in beliebiger Einfachheit per animierter Grafik oder Comic auf Youtube erklären lassen, oder gar als Zwiegespräch zweier Rap-Sänger, die die Ökonomen Keynes und Hayek personifizieren.

Man stellt fest: Es ist eigentlich ganz simpel - und fragt sich manchmal gleich, ob da einfache Sachverhalte absichtsvoll verkompliziert wurden. In Deutschland haben sich die Erklärfilmchen zuerst in die Kindernachrichtensendung "Logo" und von dort zunehmend auch in die großen Nachrichtensendungen geschlichen. Dort werden inzwischen regelmäßig wirtschaftliche Zusammenhänge in einfache Animationsgrafiken übersetzt.

Zum mächtigen Trend sind die Wirtschafts- und Finanzvideos durch die Finanzkrise geworden, die aus dem trockenen Sujet Finanzen und Wirtschaft ein hochemotionales Aufregerthema gemacht hat. Seither ist es nicht mehr ungewöhnlich, dass originell aufbereitete Wirtschaftsvideos millionenschwere Fangemeinden auf sich ziehen.

Während ernsthaft aufgemachte Bücher gegen den ökonomischen Mainstream trotz der Krise der Ökonomie zumeist Ladenhüter blieben, hat der Ökonomie-Komödiant Yoram Bauman mit seiner "Übersetzung" von zehn Wirtschaftsprinzipien aus dem meistverkauften Ökonomie-Lehrbuch von Gregory Mankiw eine knappe Million Betrachter gefunden. Darin erklärt er per Powerpoint-Vortrag unter anderem den Unterschied zwischen Mikroökonomie und Makroökonomie: "Mikroökonomen sind Leute, die bei spezifischen Sachverhalten daneben liegen, Makroökonomen liegen ganz allgemein daneben."

Solche Videos selbst auf professionellem Niveau zu produzieren ist kinderleicht geworden. So hat etwa Omid Malekan für sein Kultvideo "Quantiative Easing Explained" zur US-Geldpolitik ein frei verfügbares Comic-Filmchen verwendet. Ein vorgefertigtes Programm vertonte Malekans Text und legte ihn den Comic-Bären in den Mund.

Von dieser Sorte Videos gibt es, weil es so leicht geht, inzwischen eine Unmenge. Viele sind kaum beachtet, aber einige erreichen extrem hohen Zuschauerzahlen.

Markenartikler müssen aufpassen

Für Produzenten von trendigen Markenartikeln ist das eine Entwicklung, die sie nicht missachten dürfen. Beispiel Apple: Mehr als zehn Millionen Mal wurde ein Video betrachtet, das sich über die iPhone-Gläubiger lustig macht (iPhone vs. HTC Evo). Ein gläubiger iPhone-Fan will darin ein Alternativgerät nicht einmal in Betracht ziehen, als der Verkäufer ihm versichert, dass dieses Geld drucken und drei Wünsche erfüllen kann: "Einer davon kann ein iPhone sein."

Der Mixer-Hersteller Blendtec brachte immerhin 2,5 Millionen Menschen dazu sich anzusehen, wie ein iPhone in einem Mixer zermahlen wird - eine Million mehr als sich durch das Zermahlen einer Vuvuzela in Bann schlagen ließen.

Doch weil auch Privatleute Filmchen mit Kultpotential machen können, bleiben die kommerziellen Videos Einsprengsel und das Internet ein Ort für Aufklärung und Agitation jeglicher Couleur.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Youtube-Videos: Lachen über Ökonomen und Unternehmen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%