Zwei Wissenschaftler ausgezeichnet
Wirtschaftsnobelpreis: Loblied auf die Institution

Oliver Williamson und – als erste Frau – Elinor Ostrom erhalten den Wirtschaftsnobelpreis 2009. Das Nobelpreiskomitee würdigt damit zwei Forscher, die gezeigt haben, dass sich Ökonomie um weit mehr dreht als nur um Märkte und Preise.

FRANKFURT/STOCKHOLM/DÜSSELDORF. Die Wirtschaftswissenschaft lässt sich nicht auf die Theorie von Märkten und Preisen reduzieren – auch auf Institutionen und Rahmenbedingungen kommt es an. Das ist die Botschaft, die die Schwedische Akademie der Wissenschaften 2009 mit dem mit knapp einer Million Euro dotierten Ökonomie-Nobelpreis sendet.

Die weltweit renommierteste Auszeichnung für Ökonomen geht in diesem Jahr an die beiden amerikanischen Institutionenökonomen Elinor Ostrom (76) und Oliver Williamson (77), teilte die Akademie am Montag in Stockholm mit. „Beide Wissenschaftler haben unser Verständnis von außermarktlichen Institutionen wesentlich vergrößert“, hieß es zur Begründung.

Elinor Ostrom ist die erste Frau, die den 1969 von der Schwedischen Notenbank gestifteten Ökonomie-Nobelpreis erhält. „Es ist wunderbar“, sagte sie kurz nach der Bekanntgabe. „Ich habe eine fantastische akademische Karriere hinter mir, die eigentlich nicht mit einem Nobelpreis gekrönt werden musste.“

Seit den 50er-Jahren konzentriert sich die 1933 in Los Angeles geborene Professorin der Indiana University auf die Frage, wie Menschen Gemeinschaftsgüter nutzen, die allen uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Beispiele dafür sind Weideland, Wälder, Fischvorkommen oder Seen.

Die traditionelle Volkswirtschaftslehre postuliert, dass es bei diesen sogenannten Allmendegütern einen Hang zur übermäßigen Ausbeutung der Ressourcen gibt – weil jeder Nutzer nur seinen privaten Nutzen im Sinn habe, während sich die Kosten auf die gesamte Gesellschaft verteilen. Daher empfehlen Ökonomen meist die Privatisierung solcher Gemeinschaftsgüter – oder aber deren staatliche Regulierung.

Ostrom dagegen hat in zahlreichen Fallstudien gezeigt: In der Realität sind Menschen häufig sehr wohl in der Lage, Gemeinschaftseigentum nachhaltig und vernünftig zu verwalten – ohne staatliche Vorschriften und ohne das Eigentum zu privatisieren. Oft gelinge es den Nutzern, eigene Regeln und Sanktionsmechanismen zu schaffen, die eine übermäßige Ausbeutung verhindern. „Die theoretischen Standardargumente gegen Gemeineigentum sind zu simpel“, schreibt die Akademie der Wissenschaften.

Die aktive Einbindung von Betroffenen bei der Formulierung und Durchsetzung von Regeln ist ein wichtiges Erfolgsrezept dafür, dass Menschen Gemeinschaftsgüter nachhaltig verwalten können. Vorschriften, die von außen erlassen werden, seien dagegen oft mit Problemen verbunden. Staatliche Interventionen richteten oft mehr Schaden als Nutzen an.

Seite 1:

Wirtschaftsnobelpreis: Loblied auf die Institution

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%