Arbeitsmarkt
Wer gut aussieht, verdient mehr

Ökonomische Studien beweisen: Gut aussehende Menschen haben im Job mehr Erfolg. Amerikanische Wissenschaftler haben nun den Grund dafür entschlüsselt. Ihr Fazit: Der größte Teil der Schönheitsprämie beruht gar nicht auf dem Aussehen an sich, sondern auf den Begleiterscheinungen.

DÜSSELDORF. Von solchen Wachstumsraten können die meisten Branchen nur träumen: Um zehn bis 15 Prozent steigt der Umsatz von Schönheitschirurgen in Deutschland nach Expertenschätzung pro Jahr, 2004 summierte er sich auf 1,8 Milliarden Euro. Mehr als 700 000 Deutsche lassen pro Jahr im Operationssaal ihr Äußeres tunen – sieben Mal mehr als 1990. Und Grenzen des Wachstums sind nicht in Sicht: In den Industrieländern würde sich jede vierte 16-Jährige für die eigene Schönheit unters Messer legen.

Ökonomen wissen inzwischen: Gutes Aussehen befriedigt nicht nur die eigene Eitelkeit, sondern beflügelt auch die berufliche Karriere. Schon vor zwölf Jahren zeigten die US-Ökonomen Daniel Hamermesh und Jeff Biddle: Wer überdurchschnittlich hübsch ist, verdient in den USA zehn bis 15 Prozent mehr als jemand, der unterdurchschnittlich gut aussieht ist. Unattraktive Frauen haben eine niedrigere Erwerbsneigung und heiraten weniger gut ausgebildete Männer. Andere Studien zeigten später: Große Menschen sind beruflich erfolgreicher, und Lehrer trauen hübschen Schülern bessere Leistungen zu.

Doch was genau ist der Grund für diese „Schönheitsprämie“? Über diese Fragen konnten Wissenschaftler bislang nur spekulieren. Zwei amerikanische Ökonomen sind den Ursachen jetzt mit einem komplexen Labor-Experiment auf den Grund gegangen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im renommierten » „American Economic Review“. Für ihre Untersuchung simulierten Markus Mobius (Harvard) und Tanya Rosenblat (Wesleyan University) einen Arbeitsmarkt. Die Tätigkeit, um die es ging, war das Lösen von Irrgarten-Rätsel-Spielen auf der Internet-Seite von Yahoo. Wie viel Zeit ein Spieler für das Finden des richtigen Wegs braucht, hängt ausschließlich von seiner Geschicklichkeit ab –und nicht von seinem Aussehen.

In ihrem Experiment teilten die Forscher 330 argentinische Studenten in „Beschäftigte“ und „Arbeitgeber“ ein. Die „Arbeitnehmer“ hatten die Aufgabe, in 15 Minuten so viele Labyrinth-Spiele wie möglich zu lösen. Pro gelöstem Rätsel bekamen die Spieler im Experiment einen festen Geldbetrag ausbezahlt.

Die „Arbeitgeber“ mussten vorab die Produktivität jedes Spielers einschätzen. Je genauer sie die Leistung vorhersagten, desto höher war ihre Auszahlung. Ein Teil der „Arbeitgeber“ erhielten dafür nur schriftliche Informationen über die Bewerber – neben Basisdaten wie Alter, Geschlecht und Studienfach auch Angaben, wie lange der Bewerber für Testrätsel brauchte. Einigen „Arbeitgebern“ zeigten dieForscher auch Porträtfotos der Spieler, andere konnten mit den „Arbeitnehmern“ zudem Telefoninterviews oder persönliche Gespräche führen.

Um ein wissenschaftlich handhabbares Maß für die Schönheit zu bekommen, ließen die Ökonomen das Aussehen der Spieler durch 50 externe Gutachter bewerten. Dieses stuften jeden Probanden anhand von Fotos auf einer Skala von 1 („unscheinbar“) bis 5 („überdurchschnittlich hübsch“) ein.

Die Ergebnisse des Experiments sind eindeutig: Wenn die „Arbeitgeber“ das Aussehen ihrer „Belegschaft“ nicht kannten, trauten sie Hübschen und Hässlichen gleich viel zu. „Arbeitgeber“, die ein Foto gesehen haben, hatten an gut Aussehenden hingegen deutlich höhere Erwartungen: Sie schätzten deren Produktivität gut zwölf Prozent höher ein. In den Fällen, in denen die „Arbeitgeber“ mit Spielern telefonisch oder von Angesicht zu Angesicht gesprochen hatten, bekamen Hübsche sogar einen noch höheren Bonus von bis zu 17 Prozent. Besonders bemerkenswert: Auch, wenn die Arbeitgeber das Aussehen der Probanden nicht kennen, aber mit ihnen telefonisch sprechen konnten, trauten sie Schönen mehr zu. „Das Ausmaß dieses Schönheitszuschlags ist gesamtwirtschaftlich signifikant“, betonen die Autoren. Ähnlich groß seien in den USA die Lohnabschläge für Farbige oder Frauen.

Mobius und Rosenblat zeigen, dass sich diese „Schönheitsprämie“ aus drei unterschiedlichen Faktoren zusammensetzt. Zum einen agieren gut aussehende Versuchspersonen selbstbewusster – die Zahl der Rätsel, die sie sich selbst zutrauen zu lösen, ist mehr als zehn Prozent größer als bei normal aussehenden Probanden. Dieses Selbstvertrauen kommt auch bei den „Arbeitgebern“ an. Nach den Ergebnissen der Studie gehen rund 20 Prozent der Schönheitsprämie auf diesen Faktor zurück.

Arbeitgeber trauen einem hübschen Beschäftigten zudem auch unabhängig davon, wie selbstbewusst er auftritt, eine höhere Produktivität zu als durchschnittlich aussehenden Kandidaten. Dieser direkte Vertrauenseffekt erklärt weitere 40 Prozent des Unterschieds.

Die restlichen 40 Prozent des Schönheitsbonus entstehen dadurch, dass gut aussehende Arbeitnehmer unabhängig von ihrem Selbstvertrauen bessere Kommunikationsfähigkeiten haben. Der größte Teil des Schönheitszuschlags entsteht also indirekt, weil sich gut Aussehende besser Verkaufen können und eine höhere soziale Kompetenz besitzen. Wer die eigenen Karriereperspektiven verbessern will, hat also durchaus Alternativen zum Schönheitschirurgen –zum Beispiel ein Kommunikationstraining.

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