"Auge um Auge, Zahn um Zahn"
Rache ist nicht süß, sondern macht arm und arbeitslos

Menschen, die stark dazu neigen, Gutes mit Gutem zu vergelten, verdienen im Durchschnitt mehr als solche, dazu weniger neigen – das zeigt eine neue Studie. Wer sich gerne im Schlechten revanchiert, ist dagegen häufiger arbeitslos und verdienen weniger.

Der alttestamentarische Grundsatz, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, ist nicht in jedem Fall ein guter Leitfaden für beruflichen und sozialen Erfolg. Hilfreich ist er nur im Sinne von Gutes mit Gutem vergelten – das Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ dagegen erweist sich in aller Regel als Bumerang.

Wer stark dazu neigt, Gutes mit Gutem zu vergelten, verdient im Durchschnitt mehr als jemand, der dazu weniger neigen – das hat eine Gruppe von Wissenschaftlern um Armin Falk, den Forschungsdirektor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), herausgefunden. Menschen, die sich gerne im Schlechten revanchieren, sind dagegen häufiger arbeitslos und verdienen weniger als andere.

Die Bonner Studie ist ein neuerlicher Beleg dafür, dass das klassische Menschenbild der Ökonomie sehr realitätsfremd ist. Im Zentrum traditioneller Modelle steht der eigensüchtige „Homo oeconomicus“ – zahlreiche Laborexperimente und zunehmend auch Feldstudien zeigen allerdings: Menschen sind soziale Wesen, denen Altruismus nicht fremd ist, die einen Gefallen erwidern und sich für erlittene Unbill revanchieren – selbst wenn dies ihnen selbst Nachteile verursacht.

Allerdings: Im wirklichen Leben scheint es längst nicht nur den einen „Homo reziprocans“ zu geben, der stets Gleiches mit Gleichem vergilt, zeigt die jetzt veröffentlichte Studie der Bonner Forscher.

In der Realität lassen sich Menschen in drei verschiedene Gruppen einordnen: Erstens gibt es diejenigen, die vor allem im Positiven Gleiches mit Gleichem vergelten – dieses Verhaltensmuster ist am weitesten verbreitet. Zweitens gibt es Menschen, die sich hauptsächlich im Negativen reziprok verhalten – sie sind allerdings in der Minderheit. Drittens gibt es eine Gruppe, für die beides gilt.

Grundlage für diese Erkenntnisse sind die Antworten von 21 000 Teilnehmern des Sozioökonomischen Panels, einer Befragung, die als repräsentativ für die erwachsene deutsche Bevölkerung gilt. Die Teilnehmer wurden gefragt, wie sehr Aussagen über ihre Neigung zu positiver und negativer Reziprozität auf sie zutreffen.

Tatsächlich scheint der „Homo oeconomicus“, der sich weder im Positiven noch im Negativen revanchiert, fast nicht vorzukommen. Viele Befragte berichteten von einem starken Hang zu positiver Reziprozität, die meisten haben zudem nur eine geringe Rache-Neigung.

Im Durchschnitt kamen die Befragten bei den Fragen zur positiver Reziprozität auf einer Skala von 1 („trifft nicht zu“) bis 7 („trifft voll zu“) auf einen Wert von 5,8. Bei den negativen lag das Mittel dagegen nur bei 3,1. Frauen neigen deutlich stärker zu positiver und deutlich weniger zu negativer Reziprozität als Männer. Mit zunehmendem Alter nimmt ebenfalls die Neigung zur positiven Reziprozität zu und die Neigung zur negativen Variante ab.

Seite 1:

Rache ist nicht süß, sondern macht arm und arbeitslos

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%